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Gerichtsreport : Gericht verurteilt NPD-Politiker

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Nils Matischent, Mitglied des Kreistages in Güstrow räumt, Diebstahl 20 defekter Waschmaschinen ein

Nils Matischent sitzt für die NPD im Kreistag des Landkreises Rostock. Gestern allerdings saß der 24-Jährige auf der Anklagebank, und zwar im Güstrower Amtsgericht. Es war vermutlich genau jener politische Hintergrund, der das Interesse der Medien an dem Prozess weckte. Denn die Sache an sich, die Richter Björn Kröhnert in nicht mal drei Stunden verhandelte, war weniger spektakulär. Da ging es um „gewöhnliche“ Kriminalität.

Um zweifachen Diebstahl vor allem. Zweimal ist der gelernte Berufskraftfahrer, der vor Gericht nicht sagen wollte, womit er im Moment sein Geld verdient, in den Güstrower Wertstoffhof eingedrungen. Das war im Mai sowie im Juni 2013. Gemeinsam mit Maik B., der gestern mit vor Gericht saß. Das Verfahren gegen einen weiteren vermutlichen Mittäter wurde abgetrennt, weil der gestern erkrankt war. Zu Dritt sollen sie beim ersten Mal das Vorhängeschloss aufgebrochen, das Tor geöffnet und eine unbekannte Menge Elektroschrott geklaut haben. Beim zweiten Mal fuhren sie laut Anklage am helllichten Tag mit einem gemieteten LKW im Hof vor, luden zwanzig kaputte Waschmaschinen auf und machten sich davon. Die offenbar gelungenen Aufnahmen aus der Überwachungskamera haben die Ermittler schnell auf die Spur der Täter gebracht.

„Dilettantisch“, findet Verteidiger Thomas Penneke das Vorgehen der Täter. „Dreist“ nennt es dagegen Staatsanwalt Wolfgang Götz. Die beiden Angeklagten sagen nichts. Aber sie lassen über ihre Anwälte Erklärungen abgeben. Sie räumen die Vorwürfe ein. Eigentlich habe sein Mandant beide Mal nach einer „Couch“ auf dem Recyclinghof Ausschau gehalten und den Metallschrott nur mangels Erfolg bei der Möbelsuche mitgehen lassen, erklärt Rechtsanwalt Penneke. Fragen beantworteten beide Angeklagte nicht. So bleibt auch das weitere Schicksal der defekten Waschmaschinen unaufgeklärt.

Zeugen müssen nach den Geständnissen nicht mehr gehört werden. Bei Maik B. scheint die Sache einfach zu sein. Noch vor Verlesen der Anklage hatten sich dessen Verteidiger, Staatsanwalt und Gericht auf eine Bewährungsstrafe geeinigt, wenn der 25-Jährige ein glaubhaftes Geständnis ablegt. Das tat er nach Auffassung des Staatsanwaltes, der eine Haftstrafe von sieben Monaten auf Bewährung fordert. Für Diebstahl im besonders schweren Fall und einen Verstoß gegen das Waffengesetz. Bei B. wurde bei einer Hausdurchsuchung ein so genanntes Butterflymesser gefunden, ein Klappmesser, das einer besonderen Genehmigung bedarf.

Das Gericht sieht das ähnlich wie der Staatsanwalt: Sieben Monate Haft auf Bewährung und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit, so lautet das Urteil für den mehrfach Vorbestraften.

Nils Matischent dagegen gehört nach Auffassung des Anklagevertreters bei einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten hinter Gitter. Zu viele Vorstrafen und eine hohe Rückfallgeschwindigkeit, begründet er seine unnachgiebige Forderung.

Der Richter verhängt am Ende eine Strafe von einem Jahr auf Bewährung. Darin einbezogen sind zwei frühere Geldstrafen. Wegen Hehlerei und wegen Bedrohung der Leiterin eines Güstrower Asylbewerberheimes. Letzteres räumte Matischent gestern ein und erkannte damit einen Strafbefehl über 1750 Euro an. Matischent muss nicht ins Gefängnis, wenn er sich vier Jahre nichts zu schulden kommen lässt und wenn er 1500 Euro an den DRK-Kreisverband zahlt.

Noch sind die Urteile nicht rechtskräftig. Eine Woche lang können beide Seiten überlegen, ob sie die Urteile anfechten. Um seinen Platz im Kreistag muss Nils Matischent nach dem Landes- und Kommunalwahlgesetz erst fürchten, wenn er zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt wird.



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