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Prozess in Rosotck : Gericht: Kein Menschenhandel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Mann wegen Zuhälterei zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

von
erstellt am 20.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Wegen Zuhälterei und Körperverletzung hat das Landgericht Rostock einen 30 Jahre alten Mann zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine inzwischen 23-jährige Freundin anschaffen gehen ließ und ihr die aus der Prostitution erzielten Einnahmen zum größten Teil abnahm. Um sicherzustellen, dass sie ihr Geld ablieferte, soll er sie mehrfach geschlagen und dabei verletzt haben.

Nicht zu beweisen sei der Vorwurf des Menschenhandels gewesen, so die Richter in ihrer Urteilsbegründung. In diesem Fall hätte das geheißen, dass der aus Rumänien stammende Angeklagte, wie es ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wurde, seine spätere Freundin zum Zweck der Prostitution nach Deutschland gebracht und sie gezwungen hätte, dem Gewerbe nach zu gehen. Das sah das Gericht nicht als erwiesen an.

Der Angeklagte habe sie nicht dauerhaft so unter Druck gesetzt, als dass sie sich dem nicht hätte entziehen können. Über längere Zeit war er sogar in Rumänien, während sie in Frankfurt, Magdeburg, Dessau und zum Schluss in Rostock anschaffen ging und Geld an ihn überwies. Sie hätte in dieser Zeit untertauchen oder zur Polizei gehen können, so das Gericht.

Hätte die Staatsanwaltschaft das Gericht vom Vorwurf des Menschenhandels überzeugen können, hätte der Angeklagte zu einer deutlich höheren Strafe verurteilt werden müssen. Die Staatsanwältin hatte knapp fünf Jahre Haft beantragt. Die Verteidigerin hingegen wollte einen Freispruch. Deshalb war nicht klar, ob der 30-Jährige beim Urteil aus Erleichterung weinte oder weil er wegen des Richterspruch sauer war.

Die junge Frau hatte als Zeugin vor Gericht berichtet, sie sei 2014 mit dem Versprechen nach Deutschland gelockt worden, in einer Bar in Hanau als Reinigungskraft zu arbeiten. Als sich vor Ort herausstellte, dass es um Prostitution ging, habe sie sich sozusagen ihrem Schicksal gebeugt.

Das Gericht glaubte hingegen, sie sei freiwillig gekommen, um als Prostituierte zu arbeiten. In vielen anderen Punkten hielten die Richter die Frau jedoch für glaubwürdig. „Die Ausbeutung ihrer Tätigkeit durch den Angeklagten steht zweifelsfrei fest“, so die Richter.

80 bis 800 Euro verdiente sie pro Tag. Davon ließ er ihr kaum genug, um Essen kaufen zu können. Aber statt wie angeblich versprochen, das Geld für eine gemeinsame Zukunft in Rumänien zu sparen, verjubelte er das Geld in Spielcasinos. Angezeigt hat seine damalige Freundin ihn, als er sich mit einer anderen Frau auf Facebook präsentierte. Dafür habe sie sich mit falschen Vorwürfen rächen wollen, behauptete der Mann.

Nach Ansicht des Gerichts bekam er mindestens 10 000 Euro von der jungen Frau. Weil er das Geld aus einer Straftat, nämlich Zuhälterei, einnahm, muss er nun eben diese Summe an die Staatskasse zahlen.

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