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Tourismusbranche reagiert auf Mindestlohn : Gerecht oder „lebensfremd“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tourismusbranche reagiert auf Mindestlohn: Aus Minijobs werden Vollzeitstellen / Auch Preiserhöhungen

Der Gast spürt es am Zimmerpreis oder eventuell an einem reduzierten Mittagsangebot im Hotel: Seit einem Monat gilt auch für die Hotel- und Gaststättenbranche in MV der Mindestlohn. Die Branche, die zu den schärfsten Kritikern der Regelung gehört, hat auf die neuen Anforderungen reagiert. Noch lägen zwar keine belastbaren Zahlen vor, sagt der Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Landesverbandes, Matthias Dettmann. Doch Unternehmen haben erste Konsequenzen gezogen.

Dettmann nennt Beispiele: Um Personalkosten zu sparen, werde das Mittagsangebot reduziert oder ein Vollhotel in ein Hotel Garni umgewandelt. „Ein Unternehmer hat drei Minijobs in eine Vollzeitstelle umgewandelt“, berichtet er. Andere reagieren mit Preiserhöhungen. Derzeit ermittelt der Dehoga-Bundesverband in einer bundesweiten Umfrage die Auswirkungen des Mindestlohns.

Gerade kleinere Hotels spüren die Lasten des größeren bürokratischen Aufwands. Janine Hoddow, Inhaberin des familiengeführten Landhotels „Adebar“ in Katzow, beklagt die Dokumentationspflicht. Gäste müssten wegen des Mindestlohns – wenn auch geringfügig – mehr bezahlen. „Wir konnten nicht ganz die Preise halten“, sagt sie. Für ein Hinterlandhotel, das mit den Angeboten auf Usedom konkurriere, seien Preiserhöhungen ein Drahtseilakt.

Im idyllisch gelegenen Landhotel beschäftigt Hoddow auch immer wieder Hartz-IV-Empfänger, die bei Bedarf auf 100-Euro-Basis im Restaurant oder in den Zimmern aushelfen. Statt früher nach 14,5 Arbeitsstunden seien die 100 Euro nach 11,5 Stunden ausgeschöpft. Die drei fehlenden Stunden blieben an ihr hängen, sagt sie. Dazu komme der mit der Dokumentationspflicht verbundene Zeitaufwand. Neben Arbeitsbeginn und Ende müssten jetzt Pausen und Tätigkeiten genau festgehalten werden.

Nach massiver Kritik aus Reihen der CDU hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) eine Überprüfung der Mindestlohnregeln bis zum Sommer angekündigt. Ein dringend fälliger Schritt, wie der Landesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU, Dietrich Monstadt, findet. „Der Mindestlohn und die damit verbundenen Dokumentationspflichten stellen eine massive Belastung für die Unternehmen dar.“ Das eklatanteste Beispiel seien Minijobs, sagt Monstadt. Arbeitgeber müssten alle Arbeitszeiten im Einzelnen festhalten, sonst drohten bei einer Zoll-Prüfung hohe Bußgelder und die Nichtzulassung zur Vergabe öffentlicher Aufträge.

Der Dehoga-Verband dringt darauf, die Dokumentationspflicht auf ein Niveau von 1500 Euro abzusenken und den Aufwand für die Unternehmen zu minimieren. Vor allem kleinere Betriebe seien dadurch belastet, weil sie keine Personalabteilung haben, die die Abrechnungen machen.„Je kleiner die Einheit ist, desto schwieriger ist es“, sagt Dettmann. Nachbesserungsbedarf sieht der Verband auch in den Regelungen zu Tageshöchstarbeitszeiten. Diese Vorschriften seien für die Tourismusbranche und Landwirtschaft „lebensfremd“.

Aber es gibt auch Hotels, die mit dem Thema Mindestlohn gelassen umgehen. Edwin Schröder, Inhaber der Hotels „Ostseeblick“ und „Dünenschloss“ in Karlshagen auf der Insel Usedom, findet die Diskussionen um den Mindestlohn völlig überzogen. Seine seit Jahren gelebte Unternehmensphilosophie: „Die Mitarbeiter sollen vom Erfolg des Hotels profitieren“, sagt der 62-Jährige.

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