Sensationsfund auf Rügen : Gerangel um den Blauzahn-Schatz

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Foto: Stefan Sauer/dpa

1000 Jahre lag der Silberschatz von Rügen im Acker - kaum ist er gehoben, starten die Diskussionen um den Ausstellungsort.

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17. April 2018, 13:24 Uhr

Der am Wochenende gehobene Silberschatz von Rügen ist noch nicht einmal vollständig inventarisiert, schon beginnt das Gerangel um den zukünftigen Ausstellungsort. Wegen seiner großen Bedeutung gehöre er mit Sicherheit zu den Funden, die man in einem Archäologischen Landesmuseum präsentieren sollte, sagte Landesarchäologe Detlef Jantzen. Der Schatz sei von hervorragendem wissenschaftlichen Wert und falle damit unter das sogenannte Schatzregal des Landes. Jantzen schränkte aber ein, dass es derzeit noch zu früh sei, über einen konkreten Ausstellungsort zu sprechen. Das Archäologische Landesmuseum soll nach den Plänen der Landesregierung in Rostock entstehen.

Im Landkreis Vorpommern-Rügen werden Forderungen nach einem Verbleib des Schatzes in der Region laut. Der CDU- Fraktionsvorsitzende und Landratskandidat Andreas Kuhn sagte: „Nach der archäologischen Bewertung und geschichtlichen Einordnung darf so ein Fund der Region nicht in Archiven verstauben.“ Der Schatz könne die Ausstellung im Stralsund-Museum komplettieren oder ein Rüganer Museum aufwerten. Im Stralsund-Museum wird bereits der Hiddenseer Goldschmuck gezeigt, der ebenso wie der Silberschatz von Rügen im Zusammenhang mit dem Dänenkönig Harald Blauzahn (919-987) stehen soll. Am 7. Mai soll der Kreistag über einen entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion entscheiden.

Der vor 1000 Jahren vergrabene und jetzt entdeckte Silberschatz  ist nach erster Einschätzung des Landesamts für Kultur und Denkmalpflege sehr gut erhalten. Er sei „nahezu blinkend“ aus dem Boden geholt worden, sagte Grabungsleiter Michael Schirren. Es gebe zwar einige Schäden, die durch die landwirtschaftliche Nutzung des Ackers entstanden seien. Einige Stücke seien verbogen oder gebrochen.

Grund für den ansonsten sehr guten Erhaltungszustand sei der wohl hohe Silbergehalt, hinzu kämen günstige Bodenverhältnisse mit einem weniger sauren Bodenklima. Von den islamischen Münzen wisse man, dass sie einen Silbergehalt von 99 Prozent haben, sagte der Landesamt-Dezernent und Archäologe Schirren.

Der aus diversen Schmuckteilen und etwa 500 bis 600 Münzen - darunter rund 100 Münzen aus der Regentschaft des Dänenkönigs Harald Blauzahn (910-987) - bestehende Schatz mit einem Gesamtgewicht von 1,5 Kilogramm wird derzeit in der Stralsunder Außenstelle des Amts nummeriert und in Fundlisten zusammengefasst. Danach geht er nach Schwerin, wo er begutachtet und konserviert werden soll, wie Landesarchäologe Detlef Jantzen sagte. Dabei werde auch der Silbergehalt festgestellt. Nach der Begutachtung stehe der Schatz der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung.

Den Erstfindern René Schön und Luca Malaschnitschenko - beide ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger - gebührt Ruhm und Ehre, sie gehen ansonsten aber leer aus. In Mecklenburg-Vorpommern wird im Gegensatz zu anderen Bundesländern kein Finderlohn gezahlt. Als ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger arbeiten sie für die Landesarchäologie. „Der Fund ist der größte Lohn der Mühe. Die Finder bleiben auf immer mit der Entdeckung verbunden und werden in Veröffentlichungen erwähnt“, sagte Jantzen. Ihre Arbeit werde im Rahmen einer Regionalkonferenz in Stralsund gewürdigt.   Schön und der 13-jährige Luca hatten im Januar die erste Münze entdeckt und bis zur Bergung des Gesamtschatzes Stillschweigen gewahrt. „Stillschweigen zeichnet gute Bodendenkmalpfleger aus. Sie wissen, wie gefährdet diese Sachen sind, und wir wissen, dass wir uns auf die Bodendenkmalpfleger verlassen können“, sagte Jantzen. In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten 148 Frauen und Männer als ausgebildete Bodendenkmalpfleger. Rund 100 weitere - darunter auch der 13-jährige Luca - befänden sich in der Ausbildung.

Funkstandard „Bluetooth“ als Hommage an Dänenkönig Harald Blauzahn

Die Namensgebung der Funktechnologie „Bluetooth“  ist eine Reminiszenz an den Dänen-König Harald Blauzahn (910-987). Harald Blauzahn, unter dessen Herrschaft Dänemark geeint und christianisiert wurde, war für seine Kommunikationsfähigkeit bekannt und galt als geschickter Netzwerker und Diplomat. An der Entwicklung des in Mobiltelefonen verbreiteten Bluetooth-Funkstandards waren die skandinavischen Firmen Ericsson und Nokia beteiligt. Das Bluetooth-Logo setzt sich aus den Runen H (Hagall) und B (Bjarkan) aus der altnordischen Runenschrift zusammen.
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