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VS-Skandal : Geprellte hoffen auf Gerechtigkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Prozess um Ex-Manager der Volkssolidarität neigt sich dem Ende zu

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 07:40 Uhr

„Gerechtigkeit“, sagt Waldtraut Feldmann. „Ein Schuld-Eingeständnis, wenigstens das“, fügt Karin Urbanek hinzu. Es ist nicht viel, was die beiden Rentnerinnen von diesem Prozess erwarten. Die Hoffnung, etwas von den 30 000 Euro wiederzusehen, die sie und ihr Mann einst im guten Glauben „ihrer“ Volkssolidarität anvertrauten, hat Karin Urbanek längst aufgegeben. Ihr Mann lebt nicht mehr und die letzte Verjährungsfrist für die Schadenersatzklage hat sie bewusst verstreichen lassen. „Ich schlafe jetzt ruhiger“, sagt die 71-Jährige. Trotzdem versäumt sie nun keinen einzigen Verhandlungstag. Gestern fuhr sie mit Waldtraut Feldmann zum 16. Mal aus ihrer Gemeinde im Landkreis Rostock ins Landgericht der Hansestadt. Doch ein Schuld-Eingeständnis von Amandus K. hörten sie und die sieben weiteren Getreuen im Saal auch gestern nicht.

Der ehemalige Volkssolidaritäts-Manager soll maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die meist älteren Anleger um ihr Erspartes geprellt wurden. Gewerbsmäßiger Betrug und Insolvenzverschleppung wirft ihm der Staatsanwalt vor. Die Senioren hatten zum Teil fünfstellige Summen in zwei Immobilienfonds der früheren Kreisverbände Mecklenburg Mitte und Bad Doberan/Rostock-Land gesteckt.

K. war sowohl Geschäftsführer des Kreisverbandes in Bad Doberan als auch eines der beiden Fonds. Rund 1, 1 Millionen Euro sollen allein von 2004 bis 2005 irgendwo in einem Schneeball-System versickert sein. Zu einem Zeitpunkt, als laut Staatsanwalt auch Amandus K. längst klar war, dass die Fonds pleite sind.

Verteidiger Dietmar Rudloff versucht unermüdlich, das Gegenteil zu beweisen. Für gestern hatte er einen früheren Steuerberater der Volkssolidarität als Zeugen angekündigt. Der sollte einen Gutachter widerlegen, der bereits am zweiten Prozesstag im Oktober erklärt hatte, dass die Fonds spätestens Anfang 2003 mausetot waren. Den Zeugen hatte das Gericht bereits abgelehnt. Rudloff lud ihn dennoch. Doch der Mann erschien gestern nicht. „Dann eben am nächsten Prozesstag“, kündigte der Verteidiger an. Die Rentner im Saal schütteln verständnislos den Kopf.

Amandus K.’s Verteidiger hat seit Wochen eine Vielzahl von Beweisanträgen gestellt, die nahezu alle abgelehnt wurden – wie auch gestern ein Befangenheitsantrag gegen das Gericht.

Für die Richter, so scheint es, sind alle Fragen hinreichend beantwortet. Auch für Staatsanwalt Holger Schütt, der sich schon auf das Plädoyer kommenden Freitag einstellt. Waldtraut Feldmann und Karin Urbanek werden in jedem Fall dabei sein.

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