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Rechtsanspruch kann im Land problemlos erfüllt werden : Genug Kita-Plätze für die Kleinsten

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Die Kinderbetreuung ist eine Erfolgsgeschichte in MV. Fast alle Drei- bis Sechsjährigen gehen in die Kita. Bei den Ein- und Zweijährigen, die vom 1. August an einen Betreuungsanspruch haben, sind es 77 Prozent.

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erstellt am 26.Jul.2013 | 07:02 Uhr

Schwerin | Die Aufgabe war im Land bereits gelöst, bevor sie im Bund überhaupt gestellt wurde: Als der Krippengipfel der Bundesregierung 2007 beschloss, dass zum 1. August 2013 Eltern ein- und zweijähriger Kinder in ganz Deutschland einen Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung bekommen sollten, besuchten in Mecklenburg-Vorpommern bereits 40 Prozent der Mädchen und Jungen in dieser Altersgruppe eine Einrichtung oder eine Tagesmutter. Bundesweit war das Ziel, für 39 Prozent der Ein- und Zweijährigen eine professionelle Betreuung zu organisieren…

Insofern war es alles andere als überraschend, dass Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) gestern in Schwerin verkündete, dass hierzulande der Rechtsanspruch ab 1. August erfüllt werde. Eine Abfrage in allen Kreisen und kreisfreien Städten habe ergeben, dass überall ausreichend Plätze in Kindertagesstätten (Kitas) zur Verfügung stehen würden, so die Ministerin - allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen ländlichen Regionen und größeren Städten. In letzteren könne es vorkommen, dass Eltern an eine andere als die Wunschkita in Wohnungsnähe verwiesen würden, so die Ministerin. Weiter als 30 Minuten müssten aber auch sie nicht fahren. Gebe es wider Erwarten doch Probleme, stehe im Ministerium unter der Rufnummer 0385 588 90 72 ein Ansprechpartner Eltern zur Seite.

Gegenwärtig werden im Land bereits 77 Prozent der Ein- und Zweijährigen außerhalb des Elternhauses betreut: 16391 Kinder gehen in eine Krippe, 4812 zur Tagespflege. "72 Prozent der geförderten Kinder unter drei Jahre nutzen ein Ganztagsangebot", betont Schwesig, die darauf verweist, dass der bundesweite Rechtsanspruch kein Anspruch auf Ganztagsbetreuung sei. Im Land gehe man bewusst weiter, um Familie und Beruf besser vereinbar zu machen. Hier garantiere das ebenfalls zum 1. August in Kraft tretende Kindertagesförderungsgesetz (Kifög) berufstätigen Eltern eine Betreuung ihres Nachwuchses für wöchentlich bis zu 50 Stunden. Eltern im Land bekämen durch das Kifög zudem einen Rechtsanspruch auf Beitragsentlastung, so Schwesig: Für unter Dreijährige zahlen sie künftig monatlich bis zu 100 Euro weniger für einen Ganztags-Krippen- und bis zu 40 Euro weniger für einen Tagespflegeplatz.

Perspektivisch wird der Bedarf nach Kinderbetreuungsplätzen noch weiter ansteigen, ist die Ministerin überzeugt. Mit Geld aus dem Investitionsprogramm des Bundes und dem Europäischen Sozialfonds sollen deshalb 642 Krippen- und 99 Kindertagesplätze neu geschaffen bzw. bereits bestehende dauerhaft saniert werden.

Kritik der Opposition und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an der schlechten Fachkraft-Kind-Relation in Kitas wies die Ministerin zurück: Nicht die Gruppengröße sei entscheidend. "Es nützt nichts, wenn nur vier oder fünf Kinder in einer Gruppe sind, die aber von einer Hilfskraft betreut werden", so Schwesig. In Mecklenburg-Vorpommern seien 94 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher pädagogische Fachkräfte - das sei bundesweiter Spitzenwert. Dennoch werde im Kifög eine Verkleinerung der Gruppen angestrebt - vorerst allerdings bei den größeren Kindergartenkindern: Ab August soll hier eine Erzieherin nur noch für 16 stat bisher 17 Kinder verantwortlich sein, in zwei Jahren soll die Relation auf 1:15 sinken. Allein durch den ersten Schritt zur Gruppenverkleinerung würden Mehrkosten von 10 Millionen Euro entstehen, so Schwesig: "In der Krippe würde es sogar 20 Millionen Euro kosten, würde man auf 1:5 (derzeit betreut eine Fachkraft dort durchschnittlich sechs Kinder - die Redaktion) gehen - was ich anstrebenswert finde." Dieses Geld stehe vorerst aber nicht zur Verfügung.

Dafür stelle der Bund ab 1. August Mittel für das Betreuungsgeld zur Verfügung. Die Leistung, die Eltern beantragen können, die ihr Kind nicht in einer Kita oder Tagespflege betreuen lasse, stößt Schwesig zufolge im Land aber nur auf minimales Interesse. Bisher seien im Landesamt für Gesundheit und Soziales gerade einmal 44 Anträge eingegangen. "Diese geringe Zahl zeigt im Gegensatz zur hohen Nachfrage nach Betreuungsangeboten, dass das Betreuungsgeld nicht auf die überwiegenden Bedürfnisse der Eltern eingeht und besser im Kita-Ausbau angelegt wäre", so die Ministerin.

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