zur Navigation springen

An 33 Standorten werden Gen-Verfahren erprobt : Gentechnik boomt, Verbraucher in Sorge

vom

Trotz Verbots auf dem Acker boomt in MV die Gen-Technik: An neun staatlichen sowie 24 privaten Forschungseinrichtungen überprüfen Unternehmen den Einsatz von Gentechnik im Agrarbereich und in der Industrie.

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2013 | 07:57 Uhr

Schwerin | Trotz Verbots auf dem Acker boomt in MV die Gen-Technik: An neun staatlichen sowie 24 privaten Forschungseinrichtungen überprüfen Unternehmen und Ins titutionen den Einsatz von Gentechnik im Agrarbereich und in der Industrie. Nach Aussagen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) gelten die meisten der 174 unterschiedlichen gentechnischen Arbeiten als nicht gefährlich - unter ihnen auch die sogenannte rote Gentechnik:

An den Universitäten in Rostock und Greifswald untersuchen Wissenschaftler bio technologische und medizinische Verwendungsmöglichkeiten. Das Wirtschaftsministerium sieht in der roten Gentechnik in MV erhebliches Entwicklungspotenzial, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Torsten Koplin. Seit 1996 habe sich die Zahl der Biotechnik-Unternehmen von 45 auf aktuell über 150 verdreifacht - ein Großteil forscht an Projekten der roten Gentechnik. Während die Landesregierung diese Forschungsarbeiten seit 2000 mit mehr als 250 Millionen Euro förderte, verliert die grüne Gentechnik, die Manipulation an Pflanzen, an Bedeutung. "Die Rahmenbedingungen verschlechtern sich stetig weiter", sagt Felix Dreier von der Norddeutschen Pflanzenzucht und spielt damit auf die Wahrnehmung durch den Verbraucher an.

Proteste gegen Impfversuch an Fohlen

Das Feld der Genetik sei für viele noch nicht greifbar: "Menschen akzeptieren nicht, was sie nicht verstehen und wovor sie sich fürchten." Da in Deutschland die Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen verboten sei, sei die Technologie außerdem nicht marktfähig, heißt es in dem Saatzucht-Betrieb. Doch das Unternehmen auf der Insel Poel hat auf diese Entwicklung reagiert: Seit Jahren werden die Technologien, mit denen Raps resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel gezüchtet werden sollen, in Kanada betrieben. Nur in Zusammenarbeit mit den Universitäten in MV betreibe das Unternehmen noch gentechnische Forschungsprojekte.

Als alleiniges gentechnisches Projekt an Lebendtieren in MV sorgte bereits im Frühjahr der größte Pferdezuchtbetrieb Europas für Schlagzeilen. In einer Feldstudie wurden Fohlen des Lewitz Gestüts in einem Versuchsstall bei Grabow mit genveränderten Bakterien geimpft. Ziel des Projektes eines niederländischen Pharmaunternehmens ist der Schutz von Jungpferden vor einer potenziell tödlichen Lungenentzündung. Das löste massive Proteste aus: Vor allem die Ausstattung des Versuchstalls wurden vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) scharf kritisiert. "Generell sind wir gegen jegliche Anwendung gentechnischer Verfahren und Technologien - zum Schutz der Natur und der Verbraucher", sagt BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff. "Die Veränderung in einer Generation ist nicht für die nächste Generation versichert, es kann zu Mutationen kommen", warnte er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen