Bester Azubi Deutschlands : Generalprobe fürs Examen

Florian Zobel bereitet unter den Augen von Schwester Jeannette Romer eine Infusionslösung vor.
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Florian Zobel bereitet unter den Augen von Schwester Jeannette Romer eine Infusionslösung vor.

Florian Zobel aus Waren will kommende Woche Deutschlands bester Krankenpflege-Azubi werden – der beste des Landes ist er schon

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02. März 2016, 12:00 Uhr

Normalerweise sind die Berufsschul-Wochen für Florian Zobel eher Zeit zum Entspannen. „Ich war aus dem Gymnasium ein anderes Lernpensum und auch eine andere Strenge der Lehrer gewohnt“, erzählt der 22-Jährige, der im dritten und letzten Jahr der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger steht, mit einem Augenzwinkern. Doch im Moment ist alles anders: Der junge Mann, der am Mediclin Müritz-Klinikum in Waren lernt, ist seit Dezember Mecklenburg-Vorpommerns bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege – und wenn alles optimal läuft, vielleicht bald sogar der beste Krankenpflege-Azubi Deutschlands. In der kommenden Woche, am 10. und 11. März, tritt er in Berlin im Wettbewerb um den nationalen Titel an. Und darauf bereitet der Warener sich im Moment intensiv vor.

Wenn seine Mitschüler an der Berufsschule ihre Mittagspause genießen, geht Florian Zobel mit Jeannette Romer noch mal alle Themen, die im Ausscheid abgefragt werden könnten, durch – und manchmal auch noch nach Schulschluss. Vor allem gehe es dabei um das situationsgerechte Handeln am Patienten, erklärt die erfahrene Schwester, die als Praxisanleiterin die Ausbildung am Müritz-Klinikum koordiniert. Gemeinsam mit Florian Zobel bespricht sie beispielsweise die Vitalwerte von Patienten. Auch praktische pflegerische Tätigkeiten wie das Vorbereiten einer Infusion oder das Entfernen von Drainagen üben beide. „Je mehr wir die praktischen Handgriffe durchgehen, desto besser. Das nötige Grundwissen hat Florian ja. Auch das Schreiben einer Pflegeplanung haben wir noch mal geübt“, sagt Schwester Jeannette.

„Alles, was ich jetzt für den Ausscheid übe und wiederhole, muss ich im Sommer auch fürs Examen können. Das ist jetzt also sowas wie eine Generalprobe“, meint der junge Mann, der die Mehrarbeit in der Vorbereitungsphase auf den Bundesausscheid deshalb auch nicht als Last ansieht. Durch einen Berufsschullehrer sei er zu dem Wettbewerb gekommen, erzählt er. Die Vorrunde in Hamburg, bei der er sich gegen sechs Mitbewerber aus MV durchsetzte, sei aber kaum mehr als ein Aufwärmen gewesen: „Nur ein Multiple-Choice-Test mit 50 zu beantwortenden Fragen, nichts Praktisches“, erinnert sich der Warener. Jetzt, in Berlin, werde es sicher schwieriger – aber gerade das findet der junge Mann reizvoll. Zumal: Wenn er es im Bundesausscheid bis ganz weit nach vorn schafft, kommt er damit auch einem anderen Ziel näher – seinem eigentlichen Berufsziel: „Ich möchte schon seit langem Medizin studieren“, verrät Florian Zobel. Der Abiturdurchschnitt hätte aber nicht ausgereicht, erst einmal auf die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger umzuschwenken daher nahegelegen. Nach deren Abschluss will er sich nun aber tatsächlich um einen Medizinstudienplatz bewerben, „am liebsten in Rostock oder Greifswald“, und hofft darauf, ins Auswahlverfahren zu kommen und dort mit seinen Vorkenntnissen punkten zu können. Der Titel des besten deutschen Krankenpflege-Azubis könnte da natürlich auch helfen…

Wenn nicht, dann sei es aber kein Notnagel, in der Krankenpflege zu bleiben, betont Florian Zobel. Denn er weiß mittlerweile nicht nur, dass er als Pfleger viel näher am Patienten arbeitet. „Der Patient sieht die Pflegekräfte auch viel häufiger als die Ärzte.“ Ideal wäre ein späterer Einsatz auf der Intensivstation – das ist auch die Prüfungsstation, auf der er seine letzten Monate als Auszubildender verbringen wird. Vielleicht als nationaler Titelträger.

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