Gen-Kartoffel-Depot blockiert

Gegen den Anbau von Gen-Knollen: Greenpeace-Aktivisten riegeln das Amflora-Depot ab.ddp
Gegen den Anbau von Gen-Knollen: Greenpeace-Aktivisten riegeln das Amflora-Depot ab.ddp

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12. April 2010, 06:52 Uhr

Waren | In Mecklenburg-Vorpommern wächst der Widerstand gegen den bundesweit einzigen, im Müritzkreis geplanten geplanten Anbau gentechnisch veränderter Kartoffeln. Nach der polizeilichen Auflösung einer Greenpeace-Blockade eines Hoflagers in Bütow forderte am Montag Landes-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) klare, kontrollierbare Anbauregeln für die Genkartoffelsorte Amflora.

Am Montagmorgen hatten sich 21 Greenpeace-Aktivisten vor ein mit 360 Tonnen Amflora-Saatkartoffeln gefülltes Lager am Gut Bütow angekettet. Auf einem Plakat am Eingang hieß es: "EU-Genkartoffeldepot geschlossen." Mit ihrer Aktion solle die Aussaat der Sorte verhindert werden, sagte Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter. Die genmanipulierte Kartoffel darf, drei Monate nach ihrer Anmeldung im staatlichen Standort-Register, seit Montag ins Freie gepflanzt werden.

Die Polizei ließ daraufhin die Kette am Gutseingang mit Spezialwerkzeugen trennen. Anschließend seien die Personendaten der Beteiligten aufgenommen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Es bestehe der Verdacht des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung. Den Polizeiangaben zufolge hatten die Aktivisten versucht, sich in der Halle anzuketten, und dafür das Tor angebohrt.

Nach Ansicht von Greenpeace verstoßen Anbau und Verbreitung von Amflora gegen die EU-Freisetzungsrichtlinie. Seit 2004 dürften keine Genpflanzen mit gesundheitsgefährdenden Antibiotika-Resistenzgenen in Umlauf gebracht werden, sagte Hofstetter. Auch die mangelhafte Prüfung ökologischer Risiken widerspreche der Richtlinie. "Wir wollen erreichen, dass die Kartoffel nicht auf den Acker kommt", sagte Greenpeace-Sprecherin Simone Miller.

In einem Brief an Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) bekräftige auch Backhaus seine ablehnende Haltung zum Anbau. Die vom Bund verordneten Anbauregeln seien unscharf formuliert und für eine Überwachung durch die Länder nicht brauchbar. Zugleich verwies der Minister auf ein wissenschaftliches Gutachten, wonach ein in Amflora enthaltenes Gen für Antibiotikaresistenz nicht ausreichend auf Unbedenklichkeit geprüft worden sei. Er appellierte an Aigner, die Bedenken entweder in überzeugender Weise auszuräumen oder den Anbau umgehend zu untersagen.

Bei Bütow, unweit der Autobahn 19 Berlin-Rostock, soll die inzwischen von der EU zugelassene Stärkekartoffel im Auftrag der BASF Plant Science GmbH auf einer Fläche von 20 Hektar angebaut werden. In der Region gibt es seit Jahren Amflora-Versuchsanbau und Proteste dagegen. In der Halle ist nach Angaben von Kartoffelzüchter Karl Heinrich Niehoff die Kartoffelernte von 2009 eingelagert, die von BASF zu Stärke verarbeitet werden soll. Neue Pflanzkartoffeln für die Aussaat seien noch nicht da.

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