Prekäre Finanzsituation : Gemüseverkauf für Erhalt der Schuldnerberatung?

Träger zunehmend in finanziellen Schwierigkeiten. Linke und Paritätischer Wohlfahrtsverband fordern mehr Mittel.

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24. Mai 2017, 06:00 Uhr

Schuldnerberater sollen Menschen in kritischen finanziellen Situationen Halt bieten, geraten aber selbst immer mehr in Schwierigkeiten: Nachdem Ende 2015 in Schwerin ein Träger vor der hohen finanziellen Belastung kapitulierte, steht nun eine Schuldnerberatungsstelle in Stralsund vor dem Aus.

„Die Träger dieser wichtigen, kostenlosen Fachberatung, die dem Land viele Millionen Euro spart, müssen im laufenden Jahr einen Eigenanteil von bis zu 13,1 Prozent aufbringen, um das Angebot zu sichern“, rügt der sozialpolitische Sprecher der Linken im Landtag, Torsten Koplin. Im Einzelfall seien das jährlich bis zu 29 000 Euro, die die Träger aus Spenden und Querfinanzierungen aufbringen müssten. Seine Fraktion fordere die Landesregierung auf, die soziale Beratungslandschaft im Doppelhaushalt 2018/19 endlich auskömmlich zu berücksichtigen und der seit Jahrzehnten praktizierten Projektförderung ein Ende zu setzen.

Nach Angaben des Sozialministeriums verfügt Mecklenburg-Vorpommern über ein gutes Netz von Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen im gesamten Land. 23 Träger bieten an 25 Hauptstandorten und 34 Nebenstellen eine entsprechende Beratung an. Seit 2016 wurde zudem der Haushaltsansatz für die Förderung um 100 000 Euro auf 1,905 Mio. Euro pro Jahr erhöht, so ein Ministeriums-Sprecher. Im konkreten Fall habe die Awo als Träger der Stralsunder Beratungsstelle die Schließung mit persönlichen Gründen, sprich dem Wegzug einer Mitarbeiterin, begründet. „Dafür das Land verantwortlich zu machen, ist sachlich falsch und schlechter politischer Stil“, so Ministeriumssprecher Alexander Kujat an die Adresse der Linken.

Doch deren Forderung wird auch vom Paritätischen Wohlfahrtsverband unterstützt. Seit Jahren würden die Zuwendungen des Landes für die Hilfsangebote der Wohlfahrtspflege stagnieren, während die Personal- und Sachkosten der Träger kontinuierlich stiegen, so der Landesvorsitzende Friedrich-Wilhelm Bluschke. Eine Mitgliedsorganisation spiele jetzt schon mit dem Gedanken, selbst angebautes Obst und Gemüse zu verkaufen, um den Eigenanteil für ihre Schuldnerberatungsstelle aufzubringen. „Die Belastungsgrenze der Träger ist mehr als erreicht, es geht so nicht mehr weiter“, betont Bluschke.

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