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Ärztemangel : Gemeinden bewerben sich bei Ärzten

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Die Gemeinden in MV wollen ihre jeweiligen Stärken bewerben, um neue Ärzte zu gewinnen: Golfplatz oder Baggersee, günstige Häuser oder verlässliche Kita-Betreuung.

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erstellt am 08.Nov.2011 | 07:11 Uhr

Schwerin | Golfplatz oder Baggersee, Jagdverband oder Naturschutzgebiet, günstige Häuser oder verlässliche Kita-Betreuung: Die Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern wollen ihre jeweiligen Stärken bewerben, um neue Ärzte zu gewinnen. Das ist Teil einer Vereinbarung, die die kommunalen Spitzenverbände jetzt mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in MV getroffen haben, um den zunehmenden Medizinermangel im Nordosten zu bekämpfen.

"Uns fehlen derzeit 162 Hausärzte im Land", bilanzierte gestern der Vorsitzende der KV in Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Wolfgang Eckert. Und das trotz der bundesweit höchsten Honorare für Allgemeinmediziner in MV, wie Eckert betonte: "Das Geld spielt keine Rolle. Die meisten Ärzte treffen ihre Standortwahl nach der Attraktivität der Arbeit und des Arbeitsortes."

Für die zukünftigen Mediziner wird deshalb nun eine Datenbank mit Attraktivitätsprofilen von Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern erstellt, die im Internet einsehbar ist. "Nicht alle angehenden Ärzte wollen unbedingt in der Stadt leben", weiß Eckert. Viele wüssten jedoch nicht, welche Angebote es in den verschiedenen Regionen gebe. Hier sei das Internetprofil hilfreich.

Medizinermangel herrsche allerdings nicht mehr ausschließlich auf dem Lande. Selbst in Rostock würden derzeit 13 Hausärzte gesucht. Auch bei den Facharztpraxen gebe es bereits mehrere weiße Flecken auf der Landkarte. "Wir müssen uns frühzeitig an die Medizinstudenten wenden", sagte Eckert.

Neben dem Internetauftritt wollen die Kommunen ihre bisherigen Ideen im Kampf gegen den Medizinermangel austauschen und erweitern, wie Jan Peter Schröder, Geschäftsführer des Landkreistags in MV, sagte. Dazu gehören beispielsweise Stipendienprogramme für angehende Ärzte, die einige Landkreise bereits aufgelegt haben.

Darüber hinaus gelte es, gemeinsame Lösungsvorschläge für eine bessere Mobilität der Landbewohner zu erarbeiten, sagte Reinhard Dettmann, Präsident des Städte und Gemeindetags in MV. Auch die Breitbandversorgung spiele eine Rolle. Wenn die Kommunen versuchten, ihre Attraktivität für künftige Praxisbetreiber zu steigern, komme das letztlich allen Bewohnern zugute, ergänzte Thomas Deiters, Vize-Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetags.

Nach Meinung von Wolfgang Eckert muss sich außerdem in der Medizinerausbildung einiges tun. Er kritisierte vor allem die Auswahl der Studenten nach der Bestnote im Abitur. "Wir brauchen keine Wissenschaftler mit Abinote 1,0, die in die Pharmaindustrie gehen, sondern Ärzte, die gut mit Menschen umgehen können und ihren Beruf mit Leidenschaft und Gefühl ausüben."

Die Vereinbarung zwischen den kommunalen Spitzenverbänden und der KV sei nur einer von vielen Bausteinen auf dem Weg zur einer gesicherten medizinischen Versorgung. Schon jetzt gebe es zahlreiche Maßnahmen der KV, um Ärzte zu gewinnen. Dazu zähle etwa ein Investitionskostenzuschuss von bis zu 50 000 Euro oder die verstärkte Werbung im Ausland.

Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) nannte die neue Vereinbarung ein "Musterbeispiel für gemeinsame Problemlösungen". Zudem sei sie eine Unterstützung der Landesregierung. Der Koalitionsvertrag lege fest, dass die Nachwuchsförderung zu intensivieren und Anreizsysteme auf regionaler Ebene für angehende Hausärzte zu unterstützen seien, sagte Schwesig. Die Landesregierung bemühe sich auch auf Bundesebene darum, neue Versorgungskonzepte umzusetzen.

Auch Torsten Koplin, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, sprach von einem richtigen Ansatz. "Allerdings kommt dieser reichlich spät, der Mangel ist seit Jahren absehbar." Die jetzt vereinbarten Maßnahmen seien richtige Schritte, reichten aber nicht aus, um eine wohnortnahe Versorgung zu sichern. Wichtig sei eine gute Infrastruktur, so Koplin: "Die Landespolitik muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass in den Städten und Gemeinden das kulturelle und gesellschaftliche Leben nicht den Bach runtergeht."

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