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Alte Malerei in Güstrow : Gelehrte aus 16. Jahrhundert schauten herab

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Eine Deckenmalerei im Derz’schen Haus in der Mühlenstraße lässt die Fachwelt aufhorchen. Zehn Porträt-Medaillons zeigen Gelehrte aus dem 16. Jahrhundert. Bei der weiteren Sanierung kamen die bemalten Bretter zum Vorschein.

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erstellt am 06.Feb.2012 | 10:34 Uhr

Güstrow | Eine Deckenmalerei im Derz’schen Haus in der Mühlenstraße lässt die Fachwelt aufhorchen. "In Güstrow ein akademisches Programm zu finden, ist schon sehr besonders", betont Bauforscher Thilo Schötbeck. Zehn Porträt-Medaillons zeigen Gelehrte aus dem 16. Jahrhundert. Die Deckenmalerei entstand um 1600 und war nach Umbauarbeiten 1750, bei denen auch eine Zwischendecke eingezogen wurde, nicht mehr zu sehen. Bei der Vorbereitung der weiteren Sanierung des Hauses in der Mühlenstraße 48 kamen die bemalten Bretter wieder zum Vorschein. Der Fund dürfte für Mecklenburg einzigartig sein.

Die Malerei, so Schötbeck, entsprach der Kultur der Zeit, ist aber eher in südlicheren Landstrichen Deutschlands zu finden, z.B. im Weserbergland. Eine Erklärung dafür, dass man für die Porträts Gelehrte auswählte, könnte die Information liefern, dass ein Protasius Marstaller 1608 als Eigentümer des Hauses genannt wird. Marstaller war ein Gelehrter am Hofe von Herzog Ulrich und auch am Pommerschen Hof. Das entnahm der Bauforscher aus Aufzeichnungen des Güstrowers Wilhelm Mastaler. Protasius Marstaller entstammte einer Gelehrtenfamilie aus Süddeutschland, die im Zuge der Reformation nach Norden zog. Dass er im späten 16. Jahrhundert in Italien weilte, könne als Zeichen von Weltoffenheit und Bildung interpretiert werden.

Einige der Gelehrten sind bereits identifiziert. Der bekannteste dürfte Conrad Gesner (1516-1565), ein Schweizer Arzt, Naturforscher und Altphilologe, sein. Der pflanzenkundige Mediziner Leonhart Fuchs (1501-1566) hinterließ seiner Nachwelt die Fuchsien, eine Sommerblume, die nach ihm benannt wurde. Die Porträts, so nimmt Schötbeck an, sind nach Vorlagen aus einem Buch, das Ende des 16. Jahrhunderts über Gelehrte der Zeit erschien, entstanden. In welcher Form sie später zu sehen sein werden, das kann Bauherr Ulrich Bunnemann noch nicht sagen. Man könnte die bemalten Bretter unten an Deckenbalken befestigen, aber diese Vorstellung behagt dem Architekten aus Schwerin nicht. Dann, so meint er, könnte man sie gleich an einer Wand aufhängen.

Noch viel ist zu tun, bis vielleicht im Sommer 2013 das Haus an der Mühlenstraße 48 wieder bezogen werden kann. Es entstehen hier Wohnungen und Gewerberäume. Die Finanzierung sei inzwischen geklärt. Dabei seien die Fördergelder geringer ausgefallen als erhofft. Deshalb müsse nun genau überlegt werden, wie viel Restaurierung man leisten könne. Gleichzeitig sollen in eineinhalb Jahren auch das Nachbarhaus, Nebengebäude auf dem Hof und die Lange Straße 50 saniert sein. Ob weitere Häuser an der Langen Straße noch hinzukommen, das werde derzeit geprüft, verrät Bunnemann. Der Kemladen des Derz’schen Hauses, von dem lange Jahre mehr als eine Wand stand, ist im Rohbau bereits fertig.

Bekannt ist aus Mastalers Aufzeichnungen, dass 1855 in der Mühlenstraße 48 eine Brauerei mit Schankwirtschaft eingerichtet wurde. Als Brauereibesitzer sind später Frederik Hanse und Paul Derz (1907 bis 1921) genannt.


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