Prozess : Geldregenfall: Bewährung für Mirower

Das abgebrannte Haus
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Das abgebrannte Haus

Urteil am Amtsgericht ging Absprache voraus

Das Amtsgericht Waren an der Müritz hat einen Mann aus Mirow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) im sogenannten „Geldregen-Fall“ wegen Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Unternehmer erhielt gestern 18 Monate Freiheitsstrafe, die für zweieinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde, sagte Richter Manfred Thiemontz. Der 56-Jährige hatte gestanden, im Juli 2015 nach Streit mit der getrennten Ehefrau das gemeinsame Haus angezündet zu haben. „Das war eine Ausnahmesituation, in der ich mich befunden habe“, sagte der Mann vor Gericht. Sein Anwalt Henrik Tantau legte dazu ein Schreiben einer Klinik vor.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil der Mann zudem rund 200 000 Euro in einem Baum vor seiner Frau versteckt hatte. Das Baumversteck lag auf einem Campingplatz, den der 56-Jährige betreibt. Es war wenige Tage vor dem Brand aufgeflogen.

Bei großer Sommerhitze hatten sich die zugeklebten Enden des „Geld-Rohres“ gelöst, worin die Scheine lagen, und 50-Euro-Scheine flatterten zu Boden, was als „Geldregen von Mirow“ bekannt wurde. Feuerwehrleute fanden 200 000 Euro, die der Mann später zurückbekam.

Dem Urteil am Amtsgericht ging eine Absprache beider Seite voraus, dass der Brandstifter im Falle eines Geständnisses nicht mehr als ein Jahr und neun Monate Bewährungsstrafe erhält. Bei dem Brand wurde das gemeinsame Haus im Wert von rund 170 000 Euro völlig zerstört. Die Ruine steht noch unverändert. Der 56-Jährige hatte im Keller Benzin vergossen und sich beim Anzünden selbst die Hände verbrannt.

Der Unternehmer habe sich dabei auch selbst geschadet, argumentierte Verteidiger Tantau: „Mein Mandant hat sich selbst ins Knie geschossen.“ Der Verurteilte stammt aus Hamburg, hat Sport auf Lehramt studiert und war nach 1990 an die Seenplatte gekommen, wo er einen Kanuverleih aufgebaut hat. Er war nach eigenen Angaben elf Jahre verheiratet, hat zwei vier und acht Jahre alte Kinder und ist inzwischen geschieden.

Die Vermögensauseinandersetzung stehe vor dem Abschluss, sagte der Anwalt. Die Staatsanwaltschaft hatte 21 Monate, der Verteidiger 15 Monate Freiheitsstrafe verlangt, die je zur Bewährung ausgesetzt werden sollten. Als Auflage soll der bisher nicht vorbestrafte Mann zudem 5000 Euro an einen Hilfsverein für krebskranke Kinder zahlen.

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