zur Navigation springen

Geringverdiener und Hartz-IV-Empfänger müssen mehr zahlen : Geldproblem beim Mittag für Kinder

vom

Sieben Millionen Euro stellt das Land im Jahr zu Verfügung, damit in den Tagesstätten eine Vollverpflegung der Kinder gesichert wird. Doch trotz des Zuschusses vom Land wird es für viele Eltern teurer werden.

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2011 | 09:19 Uhr

Güstrow | Mit der Novellierung des Kindertagesstättenförderungsgesetzes (Kifög) im vergangenen Jahr wird in den Tagesstätten eine Vollverpflegung der Kinder angestrebt. Die Tagesstätten sind aufgefordert, dem Thema gesunde Ernährung mehr Aufmerksamkeit zu widmen und das nicht nur mittags, sondern auch morgens und am Nachmittag. Sieben Millionen Euro stellt das Land dafür im Jahr zu Verfügung. Das hört sich gut an, hat aber einen Haken. Der sorgt unter den Eltern derzeit für allerlei Aufregung. Denn trotz des Zuschusses vom Land wird es für viele Eltern teurer werden. Hartz-IV-Empfänger und Geringverdiener zahlten in den vergangenen zwei Jahren fünf Cent für ein Mittagessen und ein Getränk. Für sie wird es definitiv teurer werden.

Die Ursache dafür liegt in der Finanzschwäche des Landkreises. Im Paragrafen 18 des Kifög heißt es, dass Zuweisungen nur dann gewährt werden, wenn der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe, also der Landkreis, "keinen Kostenbeitrag für ersparte Aufwendungen des häuslichen Lebensunterhaltes erhebt". Landrat-Vize Rainer Boldt nennt es die "häuslichen Ersparnis". Das ist das Geld, was Eltern auch ausgeben müssten, wenn sie ihr Kind zu Hause beköstigen würden. Diese Summe sei im Hartz-IV-Regelsatz mit eingerechnet. Bisher wurde die "häusliche Ersparnis" vom Land an den Kita-Träger für das Essen überwiesen. Nun hat das Land diese Aufgabe dem Landkreis übertragen und stattet ihn dafür auch mit Geld aus. Das, so stellt Boldt fest, reicht aber nicht aus. Der Landkreis müsste nach neuer Regelung mindestens 130 000 Euro zuschießen, was angesichts der angespannten Haushaltslage nicht möglich sei. Es geht um eine Vollverpflegung für etwa 2300 Kinder, für die der Landkreis die Betreuungsbeiträge für den Kita-Besuch übernimmt.

Ein zweites Problem ergibt sich daraus, dass der Landkreis noch gar nicht sagen kann, in welchem Maße Eltern - nur die, die bereits eine Stützung durch den Landkreis erhalten - künftig beim Essen in der Kita zuzahlen müssen. Vermutlich werde man ähnlich verfahren, wie das 2008 der Fall war. Ein Rechenbeispiel: Wenn ein Mittagessen zwei Euro kostete, lag die häusliche Ersparnis bei 1,55 Euro und musste von den Eltern getragen werden. Die restlichen 45 Cent trug das Jugendamt. Bei einer Vollverpflegung würde es natürlich um andere Summen gehen. Die "häusliche Ersparnis" könnte bei drei Euro oder auch 3,50 Euro liegen.

Könnte, denn erst einmal, so erklärt der Dezernent der Kreisverwaltung finde zwischen den Eltern und Trägern eine Abstimmung darüber statt, ob in der jeweiligen Kita eine Vollverpflegung angeboten werden soll oder nicht. Das sei nicht einfach, da nicht alle Eltern einverstanden seien, wenn ihre Kinder künftig in der Einrichtung vollverpflegt werden sollen, weiß Boldt. Es sei aber die Entscheidung der Eltern und Träger. Niemand werde zu etwas gezwungen. Erst wenn klar ist, in welchem Umfang voll verpflegt oder weiterhin teilverpflegt werde, könne die "häusliche Ersparnis" berechnet werden.

Egal aber wie der Kita-Träger entscheidet: "Für Eltern, die eine Stützung des Elternbeitrages bekommen, übernimmt das Jugendamt die Kosten für das Mittagessen und in Zukunft auch für die Vollverpflegung", gibt Boldt Auskunft. Damit brauche niemand zu befürchten, dass er sich das warme Essen nicht würde leisten können. Von den Eltern allerdings hole sich der Landkreis die "häusliche Ersparnis" zurück und müsse deshalb auf die Unterstützung vom Land verzichten.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen