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Verwahrgeld : Geldhäuser kassieren Strafzinsen

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Aus der Onlineredaktion

Sparkassen Schwerin, Nordwestmecklenburg verlangen Verwahrgeld für Einlagen ab 100 000 Euro. Pläne bei der VR Bank Schwerin

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Sparkassen und Banken bitten Firmenchefs in MV zur Kasse: Mindestens drei regionale Geldhäuser in Mecklenburg verlangen für höhere Einlagen von Gewerbekunden Strafzinsen oder planen entsprechende Regelungen. Die Sparkassen Mecklenburg-Schwerin und Nordwestmecklenburg haben bereits ein so genanntes Verwahrgeld für Einlagen ab 100 000 Euro eingeführt. Die VR Bank Schwerin will solch ein Entgelt für Sicht- und Tagesgeldeinlagen „oberhalb eines noch festzulegenden Sockelbetrages noch in diesem Jahr“ erheben, teilte eine Sprecherin mit. Größere und institutionelle Kunden der Sparkasse Nordwestmecklenburg müssen seit August zahlen – Bestandskunden ab 500 000 Euro Einlage, Neukunden ab 100 000 Euro, erklärte Karsten Boerma vom Vorstandsstab. Auch die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin verlangt gewerblichen Kunden ab 100 000 Euro Einlage Strafzinsen ab. Gemeinsam mit den Unternehmen werde versucht, durch Umschichten des Geldes die Anlage zu optimieren und die Belastungen gering zu halten, sagte Sprecher Torsten Mönnnich.

Auch andere Kunden müssen sich auf Strafzahlungen einstellen: Noch sei ein Verwahrentgelt nicht das Ziel und „entspricht nicht unserer Philosophie“, lehnt eine Sprecherin der größten Sparkasse in MV, der Ostsee-Sparkasse in Rostock, Strafzinsen zwar ab. Auch wollen die Sparkassen Mecklenburg-Schwerin und Nordwestmecklenburg sowie die VR Bank Schwerin Privatkunden von Negativzinsen bislang verschonen. „Wir setzen alles daran, dass Privatkunden damit nicht belastet werden“, erklärte Schwerins Sparkassen-Sprecher Mönnich. Bei anderen Banken nehmen entsprechende Pläne indes aber Konturen an: Jedes vierte Kreditinstitut in Deutschland will nach Angaben der Bundesbank Negativzinsen erheben. Die Kreditinstitute lassen sich mit den Strafzinsen die Kosten bezahlen, die sie zuvor an die Zentralbanken dafür überweisen mussten, dass sie dort Geld parken. „Die Niedrigzinsphase nagt an unseren Erträgen“, begründet Broema die Entgelte.

In MV vorerst zu Lasten der Unternehmenskassen: Bei Firmenchefs wächst der Frust. Die Strafzinsen würden vor allem die vielen kleinen und mittleren Unternehmen in MV, die sich nach der Wende gegründet haben, schwer treffen, kritisierte Rolf Paukstat, Präsident des Unternehmerverbandes Mecklenburg-Schwerin. Vielfach seien die Kredite aus den Gründerjahren zurückgezahlt, so dass jetzt Geld für die Altersvorsorge zurückgelegt werden könne – und dafür nun Verwahrentgelte anfallen würden: „Strafzinsen ab 100 000 Euro – für kleine Mittelständler kommt da viel Geld zusammen.“ Inzwischen werde schon für die Bereitstellung von Kontokorrentkrediten ein Vorhaltezins verlangt, auch wenn die Darlehen nicht genutzt würden. Andererseits hätten auch die Kreditinstitute mit Strafzinsen zu kämpfen, zeigte Paukstat Verständnis: „Die Kosten werden in der Gesellschaft verteilt.“

Den Kreditinstituten macht ein üppiger Geldfluss zu schaffen: Allein in den letzten Wochen seien die gewerblichen Kundeneinlagen um mehrere Millionen Euro angewachsen, teilte die Ostsee-Sparkasse mit – auch deshalb, weil andere Banken Verwahrentgelte verlangen und Kunden ihr Geld umschichten. Auch die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin werde „schon seit drei Jahren mit Geld überschwemmt“, klagte Vorstand Ulrich Kempf kürzlich: „Pro Jahr sind das rund 100 Millionen Euro, die unsere Kunden bei uns einzahlen“ – und für die die Sparkasse selbst Negativzinsen zu zahlen hat.  

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