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Gericht: Erzieherinnen verletzten Aufsichtspflicht : Geldauflage nach Rutschen-Unglück

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Fast drei Jahre nach einem Kita-Unfall in Ahlbeck ist das Strafverfahren gegen drei Erzieherinnen eingestellt worden. Das Amtsgericht Ueckermünde entschied jedoch, dass die Frauen eine Geldauflage zahlen müssen.

Ueckermünde | Drei Jahre nach einem schweren Kita-Unfall in Ahlbeck (Kreis Uecker-Randow) ist das Strafverfahren gegen drei Erzieherinnen eingestellt worden. Das Amtsgericht Ueckermünde entschied aber, dass die Frauen eine Geldauflage von je 1000 Euro zahlen müssen. Sie hatten im März 2008 beim Hineingehen mit der Gruppe in ihre Kita ein zweijähriges Mädchen übersehen, dass sich auf einer Rutsche an seiner Jacke stranguliert hatte. Das Kind liegt bis heute im Wachkoma. "Es war ein Augenblicksversagen", sagte Richterin Sylvia Hagemann. Die Erzieherinnen saßen wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht, gehen aber straffrei aus.

Erst nachdem ein Kind einer Erzieherin gesagt hatte, wo das Mädchen ist, wurde die Verunglückte geborgen. Die drei Frauen hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt, sagte die Richterin. Man müsse den langjährigen Erzieherinnen ihre bisher fehlerlose Arbeit aber zu Gute halten. Zudem seien die Folgen für das unterdessen sechs Jahre alte Mädchen und seine Mutter mit keiner Strafe aufzuwiegen. Das Geld sollen die drei Frauen an einen Verein zur Kinderhospizhilfe zahlen. "Einen vergleichbaren Fall hat es in den letzten Jahren in Deutschland nicht gegeben", sagte Gerichtsmediziner Klaus-Peter Philipp. Das Mädchen war auf der Rutsche in Ahlbeck mit einer Kordel seines Jackenärmels an der Seitenbegrenzung des Spielgerätes hängen geblieben. Laut Philipp habe sich das Kind dann dadurch stranguliert, dass die Jacke oben geschlossen war und der Kapuzenrand durch das Eigengewicht die Halsschlagadern abdrückte. Trotz aller sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen erlitt das Kind schwere Hirnschäden. "Sie kann nicht allein essen und sich bewegen", schilderte die Mutter des Mädchens vor Gericht die Folgen des Unfalls.

Das gleichzeitige Verfahren gegen den damaligen Bürgermeister und eine TÜV-Beamten, die gegen ihre Verkehrssicherungspflichten verstoßen haben sollten, wurde eingestellt. Das Klettergerüst samt zweier Rutschen ist inzwischen abgebaut worden.

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erstellt am 07.Jun.2011 | 07:45 Uhr

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