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25 Jahre MV: Gerd Wessig : Geld war nie ein Anreiz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hochsprung-Olympiasieger Gerd Wessig spricht über Lebenserfahrungen und Werte.

von
erstellt am 12.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Obwohl er eigenem Bekunden zufolge nie ein sonderlich politisch interessierter Mensch war, hat es Gerd Wessig mit Frau Christina und Sohn Daniel bereits am Tag eins der Grenzöffnung am 9. November 1989 zu einem Besuch nach Hamburg gezogen. „Ich habe in der Wendezeit wie alle anderen Bürger mit Interesse, manchmal durchaus auch ungläubig, die Meldungen im Fernsehen aus Ost und West verfolgt. Und da auch keiner so recht wusste, wie lange dieser neue Zustand der Reisefreiheit hält, haben wir uns spontan zu einer Stippvisite in den Westen entschlossen“, erklärt der heute noch gertenschlanke Mann, der 1980 in Moskau im Hochsprung olympisches Gold für die DDR errang.

Natürlich begann auch für ihn in der Wendezeit eine neue Zeitrechnung in einer neuen, unbekannten Gesellschaftsordnung. Die Wurzeln seiner sportlichen Entwicklung aber sieht der 1959 in Lübz geborene und in Rugensee bei Schwerin wohnende Spitzensportler in den Werten, die ihm durch die sportliche Förderung in der DDR vermittelt wurden. Er nennt eine lange Liste von Stichworten wie Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen, Bescheidenheit, gesundes Selbstbewusstsein, sportliche und menschliche Fairness sowie Realismus zum eigenen Ich. Wessig: „Die Zeit meiner sportlichen Karriere in der DDR möchte ich nicht missen.“

Natürlich wurde in der DDR, so Wessig realistisch, eine staatlich gelenkte Sportförderung betrieben, zu der auch ein ausgeklügeltes System gehörte, das durch leistungsfördernde Mittel unterstützt wurde. „Doping nennt man das wohl“, meint er hintergründig lächelnd. Ergänzt aber auch: „Das war aber keine generelle Besonderheit des DDR-Sports. Wenn man im Orchester des Weltsports ganz vorn sitzen und den Takt angeben wollte, waren das Mittel, zu denen offenbar auch andere Staaten griffen.“

Er selbst habe sich nie missbraucht gefühlt und alle bei ihm durchgeführten Dopingproben ohne Beanstandungen hinter sich gebracht. Für ihn waren seine Leistungssteigerungen einzig und allein auf das optimale Trainingssystem zurückzuführen. „In diesem Sinne kann ich mich gegenüber allen Dopingvorwürfen relativ relaxt zurücklehnen. Was ich jedoch ausdrücklich verurteile, ist das inzwischen bekannt gewordene Doping an Kindern und Jugendlichen.“

Seine sportliche Karriere beendete er in der Wendezeit, obwohl ihm ein weiteres aktives Jahr sicher die mit attraktiven Tantiemen verbundene Einladung zu internationalen Wettkämpfen gebracht hätte. „Ich hatte mich entschieden. Es gehört zu meinem Grundsätzen, auch zu meinen Entscheidungen zu stehen. Geld war für mich nie sportlicher Anreiz“, so der Vater zweier sportlich sehr talentierter Kinder.

Also begann eine berufliche Orientierung, die im Vertrieb von Sportgeräten endete. Nach einer erlebnisreichen Zeit als Angestellter renommierter Sportgerätehersteller und der bitteren Erfahrung einer kurzzeitigen Arbeitslosigkeit wagte Wessig im August 2000, auf den Tag genau 20 Jahre nach seinem Olympiasieg, den Sprung in die Selbstständigkeit. „Dieser Tag konnte mir nur Glück bringen, zudem ich gute Geschäftspartner und auch das Glück des Tüchtigen hatte. Ich habe eben meinen Hintern bewegt und nicht die Hände in den Schoß gelegt“, sagt Gerd Wessig mit sichtlichem Stolz.

Längst hat er den Weg als Leichtathletik-Trainer eingeschlagen und wird im Juli seine B-Lizenz erwerben. Beim Schweriner SC war er zehn Jahre Vorsitzender der Abteilung Leichtathletik und ist auch heute dort noch als Präsidiumsmitglied tätig. Es mache ihm Spaß, seine Erfahrungen an die Nachwuchssportler des Landes weiterzugeben und dafür zu kämpfen, dass die optimalen Trainingsbedingungen in Schwerin mit dem Blick in die sportliche Zukunft verbessert werden.

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