zehn Millionen Tonnen Abfall : Geisternetze und Kunststoffmüll

Mitglieder des Naturschutzbund Deutschland sortieren am Meeresmuseum Stralsund Müll aus der Ostsee.
Mitglieder des Naturschutzbund Deutschland sortieren am Meeresmuseum Stralsund Müll aus der Ostsee.

Deutschland hat den Schutz des Meeres beim G7-Gipfel zum Thema gemacht

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29. August 2015, 16:00 Uhr

Mehr als zehn Millionen Tonnen Abfälle gelangen jedes Jahr weltweit in die Ozeane. Alleine in der Ostsee landen  nach Schätzungen der Umweltorganisation WWF jedes Jahr bis zu 10 000 „Geisternetze“ und Angelschnüre. In den kaputten Kunststoffnetzen verheddern sich Fische, Meeresschildkröten, Robben und Meeressäuger. Zerfällt der Plastikmüll, werden die kleinen Partikel von den Meeresbewohnern gefressen und landen teilweise dann auch auf dem Teller. Die Bundesregierung hat den „Meeresmüll“ zu einem ihrer G7-Präsidentschaftsthemen gemacht. Die Umweltverbände hoffen jetzt, dass es nicht nur bei Absichtserklärungen bleibt.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will sich auf keinen Fall einschüchtern lassen. Sie sagt: „So wie an Land mit den Landwirten, so müssen wir uns auch mit der Fischereibranche auseinandersetzen.“ Zu den Vorschlägen, die derzeit diskutiert werden, gehört beispielsweise eine Markierung, anhand derer sich erkennen lässt, wer der Besitzer eines Netzes ist. Denn dann erst könnten diejenigen, die ihre alten Netze im Meer zurücklassen, dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Helfen könnte nach Ansicht des Deutschen Naturschutzbundes (Nabu) auch die Einführung einer Steuer oder Sonderabgabe auf Einwegplastiktüten. Dass hierzulande schon bald ein generelles Plastiktüten-Verbot kommen könnte, glaubt der Verband nicht.

Was den sichtbaren Müll angeht, so sieht es an den Stränden der Nordsee noch etwas schlechter aus als an der Ostseeküste. Bei Stichprobenuntersuchungen an nicht-gereinigten Abschnitten der deutschen und niederländischen Nordseeküste wurden auf 100 Metern Länge im Schnitt 236 Abfallteile gefunden – vom Ölfass bis zur Zigarettenkippe. Drei Viertel dieser Abfälle bestanden aus Kunststoff. Zum Vergleich: Auf der Ostsee-Insel Fehmarn zählten Aktivisten auf der gleichen Strecke 85 Teile,  auf Rügen waren es 190 Abfallstücke.

Zu den mit Bundesmitteln geförderten Meeresschutz-Projekten, die demnächst ausgeweitet werden könnten, zählt das Programm „Fishing for litter“. Es soll Fischer dazu bringen, alte Netze und Plastikmüll im Hafen abzugeben. Kritik üben Naturschutzaktivisten derzeit vor allem an dem deutschen Maßnahmenprogramm zur Umsetzung einer Vorgabe der EU mit dem sperrigen Namen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. „Die deutschen Vorschläge sind nicht besonders ambitioniert“, sagt Nabu-Meeresschutzexperte Kim Detloff.

Erste Erfolge vermelden die Naturschützer dagegen an der Mikroplastik-Front. Viele Zahnpasta-Hersteller setzen die winzigen Kunststoffpartikel, die auch in vielen Peelings und Putzmitteln enthalten sind , in ihren Produkten inzwischen nicht mehr ein – wohl auch weil den Verbrauchern der Gedanke, kleine Plastikkügelchen im Mund zu haben, nicht gefiel.

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