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Präparatesammlung ergänzt : Geisterhai und Grenadierfische

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Ein etwa einen Meter langer sogenannter Geisterhai gehört seit wenigen Tagen zum Bestand der wissenschaftlichen Sammlung des Meeresmuseums Stralsund.

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erstellt am 11.Nov.2011 | 08:35 Uhr

Stralsund | Ein etwa einen Meter langer sogenannter Geisterhai gehört seit wenigen Tagen zum Bestand der wissenschaftlichen Sammlung des Meeresmuseums Stralsund. Das Tier sei im September im Mittelmeer spanischen Garnelenfischern ins Netz gegangen und dort verendet, sagte der Stralsunder Biologe Timo Moritz, der als Berater einer Mittelmeer-Expedition die Beifänge von acht Kutterbesatzungen auswertete und besonders interessante Exemplare für die spätere Präparation nach Stralsund brachte.

Geisterhaie, die auch als Chimären, Seekatzen, Seedrachen oder Seeratten bezeichnet werden, sind bislang wenig bekannte Meeresfische, die vorrangig in Tiefen von bis zu 3000 Metern leben.

Ihr Lebensraum erstreckt sich vom Nordpolarmeer bis in tropische Gewässer. Funde im Mittelmeer seien inzwischen jedoch eine Seltenheit, sagte Moritz. Das Tier sei den Fischern in über 400 Metern Tiefe ins Netz gegangen und beim Heraufholen des Garnelenfanges verendet. Das Expeditionsteam habe es später in Formaldehyd konserviert.

Einen Tag lang hatte Moritz gemeinsam mit Tübinger Biologiestudenten die Fischer vor der nordspanischen Mittelmeerküste begleitet. Zu ihrer Ausbeute gehörten etwa 50 Fischarten. "Die Tiere, die in die Netze geraten, überlebten dies fast nie", sagte der Biologe. Der Großteil von ihnen komme bereits tot an Deck.

Als weitere Irrgäste identifizierten die Forscher im Mittelmeer eine Tiefseedorschart, die üblicherweise vor allem im Atlantik vor Westafrika anzutreffen ist. Auch einige mehr als 40 Zentimeter große Mondfische fand das Team in den Netzen. Darüber hinaus gehören Rochen, Degenfische, die von Garnelen lebenden Grenadierfische sowie bislang noch namenlose Arten von Leuchtsardinen und Vipernfischen zu den musealen Neuzugängen.

Die inzwischen konservierten Exemplare befinden sich jetzt in den wissenschaftlichen Depots des Stralsund Museums. Die Sammlung zählt inzwischen etwa 2.800 Gläser mit Fischpräparaten, die für Untersuchungen oder Ausstellungszwecke in Formaldehyd- oder Alkoholösungen aufbewahrt werden. Zum Museumsbestand gehören rund 800 Fischarten, vom nur wenige Zentimeter großen Moskitokärpfling bis zum zwei Meter langen Schwertfisch aus dem Atlantik. Jüngste Neuzugänge sind sogenannte Bandfische, schlangenförmige Verwandte der Riemenfische, die Forscher des Hamburger von Thünen-Instituts für Seefischerei im Juli von einer Rotbarschexpedition vor Grönland mitgebracht hatten.

Deutsche Meeresforscher begleiteten schon einmal vor zehn Jahren spanische Garnelenfischer. Seitdem habe sich deren Ausbeute in den Schleppnetzen enorm verändert, sagte Moritz. Während den Besatzungen einst nach einem achtstündigen Schleppzug 100 Kilogramm Schrimps und mehr ins Netz gegangenen seien, müssten sie heute mit zehn Kilo zufrieden sein. Die Überfischung des Mittelmeeres zeige sich auch darin, dass selbst die Beifänge zurückgegangenen seien, sagte der Experte.

Um wirtschaftlich zu überleben, brächten die Fischer inzwischen Arten wie Ährenfische, Blaue Wittlinge oder Katzenhaie auf den Fischmarkt, die früher nicht gehandelt, als Beifang über Bord gegangen oder zu Fischmehl verarbeitet worden seien. "Für das Mittelmeer ist es fast schon zu spät," warnte Moritz. Trotzdem würden Fangbeschränkungen immer wieder gelockert, während Fischer mit noch kleineren Maschenweiten auch in küstennahen Gewässern auf Fang seien.

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