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Prozessauftakt in Schwerin : Geiselnehmer gibt Rätsel auf

vom

Im August 2011 nahm in Schwerin ein 28-Jähriger zwei junge Leute in seine Gewalt. Nach knapp zwei Stunden gab Sebastian V. auf. Gestern begann sein Prozess vor dem Schweriner Landgericht. Ihm drohen mehrere Jahre Haft.

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2012 | 11:02 Uhr

Schwerin | Mecklenburg-Vorpommern befindet sich in der heißen Phase des Landtagswahlkampfes. Auch in Schwerin kündigen im August 2011 allerorts Plakate Kanzlerin Angela Merkel an. Die Bundesvorsitzende der CDU will zuerst in Parchim und Güstrow ihrer Landespartei Schützenhilfe geben. Doch einen Tag vorher schreckt eine Nachricht die Öffentlichkeit auf: Geiselnahme in Schwerin. Auf dem Dreesch, dem größten Plattenbaugebiet der Stadt, habe ein 28-Jähriger in den frühen Morgenstunden zwei junge Leute in seine Gewalt gebracht. Sein selbst verkündetes Ziel: Auf Missstände im politischen System hinweisen. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei rückt aus.

Zum Glück kam es nicht zum Einsatz. Nach knapp zwei Stunden gab Sebastian V. auf. Die Geiselnahme endete unblutig. V. wurde festgenommen. Von irgendwelchen politischen Forderungen war keine Rede mehr. Gestern begann sein Prozess vor dem Schweriner Landgericht. Dem mehrfach vorbestraften Mann drohen mehrere Jahre Haft.

Offensichtlich sind die 19-jährige Zeitungsbotin und ihr drei Jahre älterer Freund an diesem Morgen ganz zufällig in das Blickfeld des Täters geraten. Sie müssen sich wie in einem schlechten Thriller gefühlt haben: Ein Unbekannter taucht auf aus dem Nichts. Bewaffnet mit Messer und Pistole. Laut Anklage setzt er die Klinge an den Hals der Frau, hält die Waffe im Anschlag, lässt beide niederknien. Droht, sie zu erschießen. Fordert die junge Frau auf, über Handy die Polizei zu rufen. Lässt sich festnehmen. Und gibt mit seinem Motiv Rätsel auf.

Dass die Pistole nicht echt war, sondern eine sogenannte Softairwaffe, stellt sich hinterher heraus. Ebenso, dass der mehrfach vorbestrafte Mann schon vor dem Gewaltakt die Polizei angerufen und mysteriös etwas in der Art gefordert haben soll: "Holt mich ab!". Nun verstehen sich die Beamten nicht als Dienstleistungsbetrieb. Es gab für sie offenbar keinen ersichtlichen Grund, der seltsamen Forderung nachzukommen. Den lieferte der 28-Jährige erst mit der Geiselnahme.

Für seinen Verteidiger Matthias Macht liegt die Erklärung wohl am ehesten in dem Cocktail aus Drogen und Alkohol, den sein Mandant zu sich genommen haben soll. Der psychiatrische Sachverständige geht - genau wie die Anklage - von erheblich verminderter Schuldfähigkeit aus.

Neben Sebastian V., der eigenen Angaben nach mit 15 Jahren erstmals hinter Gittern landete, sitzen noch zwei Männer auf der Anklagebank. Mit dem einen soll er in Schwerin aus Kellern Werkzeug und anderes Diebesgut im Wert von rund 800 Euro geklaut haben. Gefährliche Körperverletzung und versuchter Raub wird ihm gemeinsam mit dem dritten Angeklagten vorgeworfen. Bislang sind Termine bis Mitte März geplant.

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