zur Navigation springen

DDR-Aufarbeitung : Geht das Stasi-Archiv nach Rostock?

vom
Aus der Onlineredaktion

Nachlass des DDR-Geheimdienstes aus dem Norden soll zentral gelagert werden. Auch Schwerin im Gespräch

von
erstellt am 06.Dez.2017 | 20:45 Uhr

Die Diskussion um die Aufbewahrung des Stasi-Nachlasses in Mecklenburg-Vorpommern ist neu entbrannt. Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, sprach sich gestern für eine zentrale Unterbringung der Unterlagen am Standort Rostock aus. „Eine Machbarkeitsstudie soll im kommenden Jahr die personellen, räumlichen und finanziellen Voraussetzungen untersuchen, sagte Jahn. Rostock biete mit der Erinnerungsstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis einen guten Anknüpfungspunkt für das Archiv. Die einstige U-Haft des Geheimdienstes, wo alle Ostsee-Flüchtlinge inhaftiert waren, habe eine bundesweite Bedeutung. Das Archiv könne in Rostock auch für die universitäre Lehrerausbildung genutzt werden.

Der Landesvorsitzende der CDU, Vincent Kokert, der Jahn gestern ins Schweriner Dokumentationszentrum für die Opfer deutscher Diktaturen eingeladen hatte, sprach sich ebenfalls für Rostock als Standort aus. Er warb um ein Zentrum der Erinnerungskultur in der Hansestadt mit Gedenkstätte im ehemaligen Gefängnis und zentralem Stasi-Unterlagen-Archiv.

Roland Jahn sagte, keine der heutigen drei Außenstellen seiner Behörde in Waldeck (bei Rostock), Neubrandenburg und Görslow (bei Schwerin) könne die Akten nach modernen Maßstäben archivgerecht lagern. So fehle es etwa an Klimaanlagen für konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

In Mecklenburg-Vorpommern werden acht laufende Kilometer Akten der drei Bezirksverwaltungen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit aufbewahrt. Bis etwa 2025 soll die zentrale Aufbewahrung der Akten abgeschlossen sein, so Jahn.

Die drei Außenstellen sollen weiter bestehen bleiben. Für die Bürgernähe seien sie weiterhin wichtig. Doch auch in deren Struktur könne es Veränderungen geben. So wäre eine Verlagerung der Außenstelle Görslow nach Schwerin denkbar, um die Erreichbarkeit zu verbessern. Möglich sei, dass Beratung und Akteneinsicht im Dokumentationszentrum am Schweriner Demmlerplatz angeboten wird, meinte der Bundesbeauftragte.

Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher, hatte sich dagegen mehrfach schon für Schwerin als Standort des zentralen Archivs ausgesprochen. Bereits 2015 hatte sie in einer Expertenanhörung des Bundestages argumentiert, dass eine „unmittelbare räumliche und personelle sowie fachliche Verbindung“ des Stasi-Archivs mit dem Landeshauptarchiv in Schwerin wichtig sei. Die Akten der SED, der Volkspolizei und der Stasi an einem Ort „bedeuten einfachere Zugangsmöglichkeiten, gemeinsame Findhilfsmittel, Recherchemöglichkeiten an einem Ort“, so die Landesbeauftragte in der Stellungnahme für den Bundestag.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen