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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 04:43 Uhr

Schwerin : Geheimnisvolle Wappen-Welt

vom

Eine Mitarbeiterin des Landeshauptarchivs prüft die Wappen für Gemeinden und Kreise Mecklenburgs penibel auf Farbe, Form und Inhalte - ohne ihre Zustimmung gibt es vom Innenministerium keine Zulassung.

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2012 | 06:36 Uhr

Schwerin | Antje Koolmann will keine Kornähren-Motive mehr sehen. "Die gibt es zur Genüge und irgendwann wird es beliebig", sagt die 42-Jährige und zieht eine Schublade auf, in der Dutzende Akten hängen. Sie dokumentieren alle 340 Wappen, die es derzeit im Nordosten gibt. Als Mitarbeiterin des Landeshauptarchivs in Schwerin prüft Koolmann die Wappen für Gemeinden und Kreise Mecklenburgs penibel auf Farbe, Form und Inhalte - ohne ihre Zustimmung gibt es vom Innenministerium keine Zulassung für die unverwechselbare Visitenkarte der Kommune. Und Kornähren gibt es in Mecklenburg einfach schon viel zu viele.

In Koolmanns Büro hinter der Staatskanzlei laufen jetzt die Anträge für Wappen der neu gebildeten Landkreise ein. Vier Monate nach ihrem Vollzug macht die Kreisreform richtig Arbeit: "Die fängt für mich jetzt erst an", sagt die gelernte Archivarin. Knapp 160 Kilometer entfernt hat auch Koolmanns Kollege Uwe Rodig einiges zu tun. Er prüft die künftigen Wappen für Kommunen in Vorpommern. Koolmann und Rodig sind die amtlichen Heraldik-Experten im Nordosten.

Nur einer der sechs neuen Landkreise besitzt sein Wappen schon offiziell. Der aus den Altkreisen Güstrow und Bad Doberan gebildete Landkreis Rostock kann seit Ende November ein gelb-blaues Wappen mit einem Bullen- und einem Adlerkopf verwenden. Nordwestmecklenburgs Kreistag beschloss ein Motiv mit einem halben Stierkopf und einem Bischofsstab. Dieses sei zum Teil entlehnt aus dem mittelalterlichen Wappen der Stadt Wismar, erzählt Koolmann. An der Mecklenburgischen Seenplatte laufe unterdessen eine Ausschreibung.

Ludwigslust-Parchim hat bislang noch gar nichts in die Wege geleitet, perspektivisch wolle man aber auch ein Wappen haben, sagt ein Sprecher. In Vorpommern-Greifswald hat die Arbeit dagegen schon begonnen, ein Entwurf liegt nach Kreisangaben aber noch nicht vor.

Für Vorpommern-Rügen hat jedoch der Beigeordnete, Manfred Gerth, schon einen Entwurf vorgelegt. Gerth ist passionierter Heraldiker, also Wappenkundler, und entwarf auch bereits das Wappen für den Landkreis Rostock.

Noch ist es für die Landkreise ein langer Weg: Vor der Zulassung der Wappen erstellt Antje Koolmann ein Gutachten, denn Wappen sollen unverwechselbar sein. Nicht nur innerhalb eines Landes darf es keine Dopplung geben. Möglichst weltweit soll das Wappen ein Unikat sein. Das Motiv sei aber letztlich nicht entscheidend, dies erfülle nur einen Zweck. Koolmann schaut in erster Linie auf die Blasonierung, dies ist ein kurzer Text, der das Wappen in all seinen Feinheiten beschreibt und Teil der Zulassungsurkunde ist. So erklärt Gerth, dass die eigentliche Kunst nicht im Zeichnen, sondern darin liegt, es korrekt so zu beschreiben, dass es jeder Fachmann blind nachzeichnen kann.


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