Neue Fischarten : Geheimnissen Afrikas auf der Spur

Forscher Timo Moritz zeigt ein Foto einer neuen Bodensalmlerart (l.) und ein Foto einer neuen Art von Mondsalmler .
Forscher Timo Moritz zeigt ein Foto einer neuen Bodensalmlerart (l.) und ein Foto einer neuen Art von Mondsalmler .

Stralsunder Forscher entdeckt neue Fischarten. Einige davon könnten bald ausgestorben sein – bevor sie überhaupt erforscht wurden

von
24. November 2015, 12:00 Uhr

Die Vermessung der Welt ist noch nicht abgeschlossen, man muss sich eben nur wie Alexander von Humboldt vor mehr als 200 Jahren auf den Weg machen. Der Stralsunder Fischforscher Timo Moritz lebt das Humboldtsche Forscherideal. 

„Meinen Studenten sage ich immer, ins Feld zu gehen und die Augen zu öffnen“, sagt der 38-jährige Biologe. Selbst im 21. Jahrhundert gebe es Flecken auf der Erde, die bislang weitgehend unerforscht seien – und denen, bevor sie vollständig erfasst  sind, bereits die Zerstörung durch den Menschen drohe.

In solchen Arealen Afrikas entdeckte Moritz drei neue Fischarten, die von der internationalen Fachwelt anerkannt wurden und nun eigene Namen besitzen: Labeo meroensis, Barboides britzi und Nannocharax signifer. Sie gehören zu den Karpfenartigen und Salmler. Drei weitere Arten, die nach Auffassung von Moritz bislang unbekannt waren, sind derzeit in der Begutachtung bei internationalen Fachzeitschriften.

Für seine Promotion über die Fische Westafrikas und ein Forschungsprojekt zog es Moritz ab 2002 nach Benin und Burkina Faso – kleine Staaten in Westafrika – und den Sudan. Sein Ziel war nicht die Suche nach neuen Arten, sondern die Erforschung des Wanderungsverhaltens von Fischen in der Trockenzeit. „Dass ich dabei auf neue Arten gestoßen bin, war ein Zufall. Wenn man mit offenen Augen unterwegs ist, findet man eben auch Neues“, berichtet der Ichtyologe, der am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund arbeitet und an der Universität Jena lehrt.

Mit Keschern und Zugnetzen watete Moritz unter anderem durch den schlammigen Sumpfwald und den Fluss Oueme in Benin sowie den Nil nahe der einstigen nubischen Hauptstadt Meroe, sammelte viel Material, von dem bislang nur ein Teil ausgewertet wurde. In den Sumpfwäldern entdeckte Moritz mit dem Barboides britzi den kleinsten Süßwasserfisch Afrikas. Das Tier, das zur Familie der Karpfenartigen gehört, ist nur knapp 13 Millimeter lang.

Der Arbeit im „Feld“ folgte die trockene und langwierige Arbeit am Schreibtisch. Moritz verglich seine gesammelten Exemplare mit beschriebenen Arten, zählte Schuppen, röntgte die Tiere und suchte nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Dann reichte er seine Untersuchungen bei internationalen Fachjournalen ein, wo Experten die Studien überprüfen.

Weltweit gibt es rund 30 000 beschriebene Fischarten. Schätzungen gehen davon aus, dass noch hunderte, wenn nicht sogar Tausende unbekannte Arten auf der Erde leben. Als Hotspots dafür gelten das Kongo-, das Amazonasgebiet oder auch die Tiefsee. Alle drei Areale seien noch wenig erforscht, zum einen, weil sie schwer zugänglich seien, oder weil – wie im Kongo – Bürgerkrieg herrsche, sagt Moritz.

Dennoch ist auch der Biologe davon überzeugt, dass jährlich deutlich mehr Arten aussterben als entdeckt würden. Internationale Forscher wie der Biologieprofessor Rodolfo Dirzo sprechen inzwischen von einem sechsten globalen Massensterben.

Demnach sind innerhalb von 35 Jahren im Durchschnitt 45 Prozent der Wirbellosen von der Erde verschwunden, seit dem Jahr 1500 starben mehr als 320 terrestrische Wirbeltiere aus, wie die Forscher 2014 in einem in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichten Artikel schrieben. Als Ursachen für das rasante Sterben von Arten gelten die Habitatzerstörung, aber auch die Überdüngung und die Invasion fremder Arten.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen