Herzogskunst : Geheimnis des Ministers gelüftet

Thomas Gainsboroughs „Charlotte von Mecklenburg-Strelitz“ Foto: Museum Schwerin
Thomas Gainsboroughs „Charlotte von Mecklenburg-Strelitz“ Foto: Museum Schwerin

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05. Juli 2012, 10:40 Uhr

Schwerin | Es ist eines der bestgehütsten Geheimnisse von Mathias Brodkorb (SPD). So transparent sich der Bildungsminister in Sachen Lehrer-Dialog gibt, so verschlossen sind er und sein Staatssekretär Sebastian Schröder, wenn es um die Herzogskunst geht. Ölgemälde, Möbel, Büsten, Porzellan und Waffen, die der mecklenburgischen Herzogsfamilie gehören und über deren Kauf für 7,9 Millionen Euro derzeit verhandelt wird.

Jetzt reicht es dem Landtag. Der Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Suhr, will Aufklärung vom Bildungsminister. Heute erreicht das Ministerium ein Kleine Anfrage dazu, die beantwortet werden muss. "Welche rechtlichen Gründe sprechen... gegen die Veröffentlichung einer Inventarliste der Großherzoglichen Sammlung?", fragt Suhr. Und: "Inwiefern gefährdet die Veröffentlichung einer solchen Liste die Kaufverhandlungen?" Auch in den Regierungsfraktionen und selbst in der Staatskanzlei fragt man sich hinter vorgehaltener Hand, warum Brodkorb in dieser Sache so eisern schweigt.

Zu Recht, denn unserer Redaktion liegt die Liste aus dem Brodkorb-Ministerium seit einer Woche komplett vor. Es handelt sich um die Anlage 1 der gütlichen Einigung mit Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff vom 17. Juni 1997, die den Familienbesitz bis zum 1.12.2014 dem Staatlichen Museum Schwerin per Nießbrauch überließ. Es sind nicht 240, sondern knapp 260 Einzelstücke. Was Brodkorb unter striktem Verschluss hält, liest sich - neben Ölgemälden - so: "11. Tisch rund, um 1800; 23. Eckständer Nußbaum mit Messingbeschlag, 1810; 26. Konsoltisch, Holz vergoldet, um 1780; 29. Sessel, Holz mit Polsterbezug, Ende 18. Jahrhundert, 32. Uhr, Holz mit Pappmasché, um 1860 ." Kommoden über Kommoden, Tische, Kerzenleuchter, eine Querflöte, Spiegel, Stühle, Sessel, Sessel, Sessel...

Natürlich ist auch das berühmte Ölgemälde von Thomas Gainsborough "Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, Königin von England, um 1770" darunter. Insgesamt sind es 118 Gemälde, aber auch 140 Gebrauchsgegenstände. So gibt es auch Zweifel am Wert der Gesamtsammlung. SPD-Fraktionschef Norbert Niesezery äußerte sich bereits vor einiger Zeit: "Ölsschinken". Jetzt wird die Frage laut, ist das alles 7,9 Millionen Euro wert?

Unmut schlägt Brodkorb auch aus dem von seinem Vorgänger berufenen Gremium zur Sammlung entgegen. Fünf ausgewiesene Experten sollen beurteilen, ob die Werke unter Kulturschutz gestellt werden sollten. Aber auch sie kennen noch immer die Liste nicht. Sie haben die Stücke noch nicht in Augenschein nehmen können. Die jüngste Sitzung am 27. Juni, die endlich Aufschluss geben sollte, fiel gänzlich aus. "Wir haben deutlich den Wunsch geäußert, dass die Kommission aktiv werden will", sagte der Greifswalder Antiquariatsbesitzer Ulrich Rose verärgert.

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