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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 19:46 Uhr

Gegner der Gen-Impfversuche hoffen

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erstellt am 28.Mär.2012 | 08:53 Uhr

Grabow | Der Widerstand der Einwohner aus Grabow, Groß Laasch, Spornitz und der Lewitz-Region gegen die Pläne, Gen-Impfversuche an Pferden des Gestüts Neustadt-Glewe im Quarantänestall im Grabower Ortsteil Heidehof durchzuführen, ist ungebrochen. In zahlreichen Aktionen haben sie in den vergangenen Wochen und Monaten gegen dieses Vorhaben vehement protestiert, dabei wurden sie vor allem vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), aber auch von der Stadt Grabow, unterstützt.

Und dafür sind 437 Einwendungen, allein 353 von Bürgern aus Grabow und Umgebung, an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) geschickt und Argumente gegen den Freisetzungsversuch in Grabow formuliert worden. So wie es im Namen der besorgten und verunsicherten Bürger auch Gisela Welke aus Grabow zusammenfasste: "Ich bin, wie viele andere Grabower Bürger, in meinem Recht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit durch die Risiken dieser Freisetzung beeinträchtigt. Da die Ausbreitung der gentechnisch veränderten Bakterien laut dem Freisetzungsantrag nicht durch Sicherheitsvorkehrungen beschränkt werden kann, bin ich von den schädlichen Auswirkungen der Freisetzung unmittelbar betroffen und kann nicht geschützt werden."

Wird der Freisetzungsversuch an Pferden im Gestüt Lewitz nun gestartet oder nicht? Die Frage wird wohl erst Mitte April beantwortet werden, wie es aus dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin heißt. BVL-Pressesprecher Andreas Tief: "Mit einer Entscheidung wird vor der ersten April-Hälfte nicht zu rechnen sein. Die Prüfung der Einwendungen ist Teil des Verfahrens zum Antrag, der dem Freisetzungsversuch zugrunde liegt."

In einem dreijährigen Freisetzungsversuch, so der BUND, sollen demnach Fohlen mit einem gentechnisch veränderten bakteriellen Lebend-Impfstoff gegen eine eitrige Lungenentzündung vorbeugend behandelt werden. Der BUND verweist auf die unvorhersehbaren Gefahren, die durch die Freisetzung gentechnisch veränderter Bakterien entstehen können und informiert darüber ausführlich in einer sechsseitigen Stellungnahme. Der Hersteller und eine Expertin sehen das anders.

Drei Fohlenjahrgängen soll der Impfstoff verabreicht werden, heißt es in der Versuchsbeschreibung. Der in der Natur vorkommende Typ des Bakteriums verursache bei den Fohlen eine Lungenentzündung - ältere Pferde sind dagegen immun. Um die Fohlen zu impfen, wurden daher vier Gene des Bakteriums entfernt. Man arbeite schon länger mit dem Pharmaunternehmen Intervet, das ist die Tiersparte des US-Chemie- und Pharmakonzerns Merck & Co., zusammen, das den Impfstoff testen wolle.

Im Rahmen der Freisetzung sollen in maximal drei aufeinanderfolgenden Jahrgängen Pferdefohlen mit einem genmanipulierten bakteriellen Lebendimpfstoff geimpft werden. Dieser soll die Tiere gegen die eitrige Lungenenentzündung unempfindlich machen. Diese kann auch bei Menschen, Schweinen, Rindern, Schafen, Ziegen, Katzen und Hunden auftreten. Es besteht die Gefahr, dass neue Krankheitserreger entstehen können, deren Wirkspektrum anders oder größer ist als der ursprüngliche Erreger. Da der Erreger sowohl passiv mit der Luft bzw. mit dem Pferdekot als auch im Staub oder Bodenabtrag und aktiv durch Vögel und Nager verbreitet wird, sind sowohl die Pferde in unmittelbarer Nachbarschaft des Gestütes als auch wild lebende Tiere, wie Wildschweine, gefährdet.

Aber noch sei nichts verloren, sagte Dr. Burkhard Roloff, Agrarreferent beim BUND. "Die Reaktionen der Bürger auf diese Pläne sind genau richtig, sie lassen sich nichts gefallen. Sie befürchten Einbußen ihrer Lebensqualität, haben Angst um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder. Wir stehen an ihrer Seite."


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