Aktion des BUND in MV : Gegen den Müll am Strand

Meeresschutzexpertin Elke Körner zählt am Strand von Zingst nach einer Müllsammelaktion mit Schülern die gefundenen Zigarettenkippen. Die Ostsee braucht nach Überzeugung der Umweltschutzorganisation BUND einen konsequenteren Schutz als bisher.
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Meeresschutzexpertin Elke Körner zählt am Strand von Zingst nach einer Müllsammelaktion mit Schülern die gefundenen Zigarettenkippen. Die Ostsee braucht nach Überzeugung der Umweltschutzorganisation BUND einen konsequenteren Schutz als bisher.

Strandbesucher können leicht mithelfen, Belastungen des Ökosystems Ostsee zu verringern

svz.de von
29. Juni 2016, 12:00 Uhr

Die rund 25 Kinder sind voll bei der Sache. Eine gute Stunde lang suchen sie 100 Meter Ostsee-Sandstrand in Zingst auf Plastik und Zigarettenkippen ab. Das eklige Ergebnis kann sich sehen lassen: Gut drei Kilogramm Müll haben die Fünftklässler der Regionalen Schule Zingst bei der Aktion des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) gestern gesammelt. Bea und Lea, die beiden elfjährigen Mädchen, wissen eines genau: „Der Müll muss in den Mülleimer geworfen werden, damit die Tiere nicht sterben.“

856 Zigarettenkippen in einem 100 Meter langen Strandabschnitt sind ein normales Fundergebnis, sagt die BUND-Expertin Elke Körner. Sie hat aber schon Strände erlebt, da waren es mehr als 2000 Kippen. Das Problem sei, dass die Filter Jahre brauchen, um zu verrotten. Und sie sind hochgiftig für die unzähligen Kleintiere. Das Ökosystem Strand gerate in Gefahr, betont Körner. Die Müllsammelaktion mit den Kindern soll den Weg zu den Eltern ebnen, damit diese ihre Vorbildfunktion wahrnehmen.

Gestern wurde in Zingst auch das erste Schild „Kein Müll am Strand“ aufgestellt. Bei jedem Strandkorbverleih soll es Aschenbecher zum Mitnehmen geben. Auch an der Nordsee gebe es mit Juist und Föhr Inseln, die an ihre Gäste entsprechende Bitten richten und damit das Ziel verfolgen, „plastikarme Gemeinden“ zu sein, sagt BUND-Chef Hubert Weiger. „Wir drohen unter einer Plastiklawine zu ersticken, ohne dass es die Gesellschaft richtig wahrnimmt.“

Es sei endlich Zeit, konsequent zu handeln. Verbote müssten erlassen werden. „Die Zeit der freiwilligen Appelle ist vorbei. Damit sind wir gescheitert“, betont Weiger. Auch wenn oft die ökonomischen Vorteile größer erscheinen, die ökologisch negativen Folgen der Anwendung von Plastik in allen Lebensbereichen seien nicht mehr zu übersehen.

So waren in den Müllsäcken der Schüler unzählige Plastiklöffelchen sowie Spielzeug, Becher, Styropor und Schuhe zu finden. Aber jede Form von Plastik, die im Meer landet, werde irgendwann zu Mikroplastik und damit zu einer latenten Umweltgefährdung aller Lebewesen, sagen die Umweltschützer.

Auch der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei Rostock, Christopher Zimmermann, weist darauf hin, dass immer wieder Plastikmüll in den Forschungsfängen gefunden wird – und auch in den Mägen von Fischen. „Mikroplastik ist aber ohne Spezialmikroskope nicht als solches zu identifizieren“, sagt der Biologe. Bislang sei in Fischfleisch noch kein Plastik nachgewiesen worden. Nur im Gewebe von Muscheln, die Meerwasser filtrieren, wurden die kleinen Kunststoffe gefunden. Derzeit laufen auch Forschungen beim Leibniz-Institut für Ostseeforschung, wie sich Schadstoffe und Mikroorganismen an Mikroplastik anreichern und dann großflächig verteilt werden.

Laut BUND sind noch mehrere Hundert Kosmetika auf dem Markt, bei denen die Plastikteilchen etwa für den Peeling-Effekt beigegeben werden. Viele dieser Teilchen könnten von den Wasserwerken nicht zurückgehalten werden und landeten dann in den Fließgewässern und letztlich in den Ozeanen.

Kommunen wie Zingst können laut BUND noch mehr zum Strandschutz beitragen. Die Gitter, mit denen der Sand gesiebt werde, seien so engmaschig, dass auch ganz kleine Tiere der Strandfauna mitentfernt werden. Die Nahrungskette werde unterbrochen, Seevögel fänden weniger Nahrung – eine unnötige Belastung der Strände.

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