Interview Till Backhaus : „Gegen auffällige Wölfe vorgehen“

Anlass für die Debatte sind zunehmende Wolfsattacken auf Schafe und Rinder.

Anlass für die Debatte sind zunehmende Wolfsattacken auf Schafe und Rinder.

Landwirtschaftsminister Backhaus über Obergrenze, Sicherheit und Problemtiere

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16. November 2017, 05:00 Uhr

Morgen tagen die Umweltminister der Länder und des Bundes zum Thema Wolf. Tobias Schmidt sprach mit Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister, Till Backhaus (SPD), über den Umgang mit den Tieren.

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Betreibt die Politik verbale Hetze gegen das scheue Raubtier, wie es der WWF beklagt?
Backhaus: Niemand sucht die Konfrontation mit den Natur- und Tierschützern. Der Wolf hat ein Recht, bei uns zu leben. Seine Rückkehr ist eine großartige Leistung. Das ist ein Erfolg für den Artenschutz und auch für die Landwirtschaft. Aber wir müssen gegen auffällige Wölfe vorgehen.

Welche Fortschritte erwarten Sie von der Wolfs-Konferenz?
Wir brauchen eine abgestimmte Vorgehensweise, um auffällige Wölfe rechtssicher entnehmen zu können, wenn die Tiere zur Gefahr für den Menschen werden. Wir brauchen hier Rechtssicherheit und bundesweit klare Kriterien. Der Bund muss gemeinsam mit den Ländern Lösungen auf den Weg bringen. Die Konferenz sollte dafür den Startschuss geben. Dafür setze ich mich ein!

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Sind auch neue Regeln zum Herdenschutz notwendig?
Wenn Wölfe zu Wiederholungstätern werden und sich von den erweiterten empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen nicht abhalten lassen, müssen auch solche Tiere entnommen werden. Die Tiere geben ihr Verhalten genetisch an ihre Nachkommen weiter, deswegen muss derart auffälligen Wölfen begegnet werden. Die Landwirtschaft ist bereit, mit dem Wolf zu leben. Aber dafür muss die Politik Lösungen anbieten, um die Landwirte und ihre Herden zu schützen.

Wäre die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht ein sinnvoller Schritt?
Die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht hilft uns nicht weiter. Das sollte auch der Jägerschaft klar sein. Der Wolf hat in Deutschland und Europa einen hohen Schutzstatus, das sollten wir akzeptieren. Was nötig ist, ist eine rechtssichere Vorgehensweise auf Basis des Bundesnaturschutzrechts sowie des Sicherheits- und Ordnungsrechts. Wir müssen uns morgen auf der Umweltministerkonferenz auf die Kriterien dafür einigen, es ist allerhöchste Zeit.

Sollte die Wolfspopulation in Regionen mit Herdentieren grundsätzlich begrenzt werden, auch wenn keine „Problemwölfe“ in den Rudeln sind?
Wir brauchen dringend eine Obergrenze für den Wolf. Wenn sich die Wölfe weiter vermehren und der Bestandschutz gesichert ist, müssen wir die Population begrenzen. Nordeuropäische Länder, die schon Abschussquoten festgelegt haben, könnten dabei Vorbild sein. Ich erwarte von der Bundesregierung, bei der EU einen Antrag zu stellen, um die Population kontrollieren und eingrenzen zu können. Auch da ist Eile geboten! Wie viele Wölfe verträgt Deutschland? Diese Frage ist rasch zu klären. Dabei müssen wir auch die Wölfe aus Polen einbeziehen, die längst auch schon in Mecklenburg-Vorpommern Schafe gerissen haben.

Braucht es wolfsfreie Zonen in Deutschland?
Es gibt Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate, stillgelegte Truppenübungsplätze, wo sich die Wolfspopulation entwickeln kann. Aber wir wollen in Deutschland auch eine umweltverträgliche Landwirtschaft und die Weidehaltung erhalten. Hier geht es um die Sicherheit und die Bedrohung der Weidehaltung.

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