Nitratbelastungen : Gefahr im Grundwasser

Intensives Düngen der Äcker gilt für Kritiker als Hauptgrund für die hohe Nitratbelastung im Grundwasser.
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Intensives Düngen der Äcker gilt für Kritiker als Hauptgrund für die hohe Nitratbelastung im Grundwasser.

Nitratwerte übersteigen an jeder fünften Messstelle in MV zulässigen Grenzwert

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11. Juli 2014, 07:28 Uhr

Die Gefahr steigt: In MV hat die gesundheitsgefährdende Nitratbelastung im Grundwasser stark zugenommen. Inzwischen werden an fast jeder fünften der 260 Grundwassermessstellen im Land die zulässigen Grenzwerte von 50 Milligramm je Liter überschritten. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Landtagsabgeordneten Jürgen Suhr und Ursula Karlowski hervor. Vor einem Jahr hatte das Landesumweltamt noch 35 Fälle angegeben.

Das Ausmaß der Nitratbelastung geht an einigen Messstellen weit über das Zulässige hinaus: 2009 waren noch in sieben Grundwasserkörpern in MV Nitratbelastungen festgestellt worden, 2012 waren es schon 22. An 35 Messstellen sind den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren sogar in mindestens drei Jahren die Grenzwerte überschritten worden. In Losten nahe Wismar, wo sich eine der größten Schweineanlagen des Landes befindet, wurden vor zwei Jahren 293 Milligramm je Liter gemessen – sechsmal mehr als zugelassen. In Holzendorf im Landkreis Ludwigslust-Parchim waren es 2012 noch 214 Milligramm. 2008 waren in Sommerstorf in der mecklenburgischen Seenplatte sogar 608 Milligramm – der höchste seit 2008 in MV gemessene Wert, das Zwölffache des Zulässigen. Auch die Ergebnisse an der Messstelle in Suckow/Parchim alarmieren: Dort wurden vor vier Jahren 305 Milligramm ermittelt – sechs Mal mehr als zugelassen.

Auffällig: Vor allem im Landkreis Ludwigslust-Parchim wächst die Gefahr. 19 der 50 Messstellen, an denen die Höchstwerte überschritten wurden, liegen in der Region – neun weitere im Landkreis Rostock, vier im Nordwestkreis. Die Belastung des Grundwassers nimmt zu, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Karlowski: Das Land müsse die Anstrengungen zur Nitratbelastung forcieren.

Hohe Nitratkonzentrationen können schädlich sein. Bei Säuglingen kann es zu Atemnot kommen. Bei Erwachsenen wandeln sich Nitrite im Körper zu Nitrosaminen um, die als krebserregend gelten. In MV werden 85 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser entnommen.

Hauptursache für die steigenden Nitratwerte sehen Kritiker in der intensiven Düngung auf den Ackerflächen, vor allem auch mit Gülle. Das Bundesumweltamt kam zu der Erkenntnis, dass die steigende Zahl der Biogasanlagen und der damit verbundene Maisanbau die Lage verschärfen würden. Für die Landesregierung ist in indes in ihrer Antwort die Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung nur eine mögliche Ursache. Auch sieht Agrarminister Till Backhaus (SPD) keinen Grund bei der Ansiedlung von Tierhaltungsanlagen zu reagieren. Damit löst er Protest bei den Grünen aus: Trotz steigender Belastungen habe die Landesregierung keinen Plan zur Minderung der Nährstoffbelastung, kritisierte Karlowski.

Indes wächst der Druck auf MV: Die EU-Kommission mahnte gestern Deutschland erneut an, stärker gegen die Verunreinigung von Wasser durch Nitrate vorzugehen. Sollte Deutschland nicht binnen zwei Monaten reagieren, droht eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.



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