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Küstenabbruch MV : Gefahr an den Kreidefelsen wächst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wenn der Frost weicht, kann es zu Abbrüchen an den Steilküsten von Rügen kommen. Schiffsanleger auf der Müritz vom Eis befreit

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 18:15 Uhr

Mit dem einsetzenden Tauwetter steigt die Gefahr von Abbrüchen an der Kreideküste auf der Insel Rügen. Das Nationalparkamt Vorpommersche Boddenlandschaft mahnte gestern zu besonderer Vorsicht bei Spaziergängen an der 13 Kilometer langen Kreideküste nördlich von Sassnitz.

Mit dem Frost habe das in den Spalten gefrorene Wasser eine Sprengwirkung, so dass bei Plusgraden Steine und Geschiebemergel aus dem Kliff brechen könnten, sagte der Leiter des Amtes, Gernot Haffner. Dennoch erwartet das Amt keine größeren Abbrüche in diesem Frühjahr. Solche Abbrüche zeichneten sich in der Regel vorher ab, sagte Haffner. Es gebe derzeit aber keine Hinweise auf übergroße freie Hangbereiche oder extreme Rissbildungen.

Die Sturmflut Anfang Januar mit Wasserständen von 1,80 Meter über Normal hat auch der Rügener Küste zugesetzt. So seien die Schuttkegel am Fuß des Kliffs durch die Wassermassen weggespült worden. Diese Kegel hätten eine gewisse Barrierewirkung. „Dieser Schutz ist jetzt weg. Das Meer arbeitet direkt am Kliff“, sagte Haffner. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Unterspülungen kommen werde und die Küstendynamik steige. „Das ist aber ein stetiger Prozess.“

Wer die Natur an Rügens Kreideküste genießen will, sollte den Hochuferweg oberhalb des Kliffs benutzen und diesen auch nicht verlassen. Gefahrlos sei auch noch der Bereich nördlich von Sassnitz bis zur Piratenschlucht. Am Kieler Bach könne noch abgestiegen werden. Allerdings warnte das Amt wegen der Abbrüche dort vor längeren Spaziergängen. Der Abstieg am Königsstuhl ist seit letztem Jahr gesperrt, weil ein Baum auf den Abgang gefallen und diesen zerstört habe. Unklar ist bislang, ob dort ein neuer Abgang entsteht.

An der Müritz haben sich indes Kommunen und Besitzer von Bootsschuppen mit Eissägen auf das Tauwetter vorbereitet. So ließ gestern die Stadt Waren an der Müritz sicherheitshalber den dicken Eispanzer um weitere Schiffsanleger auftrennen, wie der Leiter des Stadtbau-hofes, Holger Huhs, sagte. Auch Vereine griffen zu Motorsägen und Peikhaken, um etwa einen Meter breite Schutzrinnen in das Eis um Bootsschuppen und Stege zu schneiden.

„Das ist nötig, weil gewaltiger Druck entstehen kann, wenn die bis zu 18 Zentimeter dicke Eisschicht bricht und Wind die Schollen in Bewegung bringt.“ Der Stadtbauhof hat mit speziellen Motorkettensägen dicke Eisplatten und -blöcke ausgesägt und unter das Eis geschoben. Anschließend wurden die Streifen mit Schilfbündeln gesichert.

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