Prozess in Schwerin : Gefängnisstrafe für Reitstallbesitzer

Der Angeklagte zu Prozessbeginn
Der Angeklagte zu Prozessbeginn

58-Jähriger wegen Sex mit Kindern zu vier Jahren Haft verurteilt

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19. Februar 2018, 18:28 Uhr

Still hat eine Mutter den Kopf geschüttelt, als sie im Schweriner Landgericht das Urteil für einen Reitstallbesitzer hörte. Der Mann hatte ihre Tochter mehrfach sexuell missbraucht. Am Montag wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. „Bei der Strafe wird mildernd berücksichtigt, dass er es auch nach der Haft nicht leicht haben wird. Wir aber haben lebenslang an seinen Taten zu tragen", rang die Frau mit ihren Gefühlen. „Das macht uns so hilflos“, ergänzte ihr Mann.

Selbstzweifel und die Sorge um ihr psychisch angeschlagenes Kind prägen das Leben der Familie. Voller Vertrauen schickten sie ihre damals zwölf Jahre alte Tochter auf den Reiterhof in einem Dorf südlich von Schwerin. Sie waren froh, dem Mädchen ihren Traum vom Pferd erfüllen zu können. Zwar war die Tochter manchmal länger als verabredet unterwegs, doch das war kein Grund für die Eltern, misstrauisch zu werden. Als ihre Tochter sich ihnen Monate später offenbarte, fielen sie aus allen Wolken. Der 58-Jährige, der auch als Reitlehrer für die Mädchen auf seinem Hof agierte, hatte sich mehrfach an ihr vergangen. Die Eltern alarmierten die Polizei.

Während der Ermittlungen kam ans Licht, dass er bereits zwischen 2008 und 2010 mit einem anfangs zwölf Jahre alten Reiter-Mädchen Sex hatte. Allerdings wehrte sich das Kind nicht, schien ab einem gewissen Zeitpunkt einverstanden, befanden die Richter. Die „Beziehung“ hielt über mehrere Jahre an. Strafbar war der Sex mit ihr, so lange sie nicht 14 Jahre alt war.

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„Er hat seine Stellung als Chef des Reitstalls und das Vertrauen der Kinder und ihrer Eltern missbraucht“, sagte der Vorsitzende Richter. Das Gericht verurteilte ihn wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung in 16 Fällen. Sein Verteidiger hält die Strafe für zu hoch, da die Übergriffe seiner Meinung nach nicht so schwerwiegend waren, wie das Gericht sie einordnete. Der Angeklagte habe eine Vorliebe für junge Frauen, aber nicht für Kinder, beteuerte der Rechtsanwalt. Wegen der angeblich fortgeschrittenen „körperlichen Entwicklung“ der Mädchen, so behauptete der Verteidiger, habe der Angeklagte sich über die „Altersgrenze hinweggesetzt“, die Sex mit Kindern unter Strafe stellt.

Anfangs war der 58-Jährige auch wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe an einem fünf Jahre alten Mädchen angeklagt. Die Vorwürfe ließen sich nicht erhärten. Das Verfahren wurde eingestellt. Die Richter hielten dem Reiter zugute, dass er vor Gericht geständig war. Unmittelbar nach seiner Verhaftung im vergangenen August war er noch nicht so gesprächig. Eltern, die die Vorwürfe gegen ihn für wahr hielten, gerieten auf dem Reiterhof schon mal selbst unter Beschuss. Inzwischen sind manche Pferde längst auf anderen Höfen untergebracht.

Unterdessen wundert sich eine Rechtsanwältin, die eines der betroffenen Mädchen vor Gericht vertrat, über den langen Zeitraum, der zwischen den verurteilten sexuellen Übergriffen des Reitlehrers lag. So recht mag sie nicht glauben, dass er sich währenddessen nichts zu schulden kommen ließ.

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