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VS-Skandal : Gefängnisstrafe für Ex-Manager der Volkssolidarität

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

64-Jähriger wegen Betruges und Insolvenzverschleppung verurteilt

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 21:00 Uhr

Sie sind älter geworden, müder und es offensichtlich leid, immer wieder davon zu erzählen. Nicht viel mehr als eine Handvoll der geprellten Senioren hat es gestern ins Rostocker Landgericht gezogen, um das Urteil gegen den Ex-Manager der Volkssolidarität (VS) aus erster Hand zu erfahren.

Der 64-Jährige soll ins Gefängnis, genau wie der Staatsanwalt es gefordert hat. Drei Jahre und acht Monate lautet das Strafmaß, das der Vorsitzende Richter, Guido Lex, anderthalb Stunden lang begründet. Von „Inkompetenz“ spricht er, von „Selbstüberschätzung“ und der „Eitelkeit eines Manager-Darstellers“, wenn Amandus K. gemeint ist. Der sitzt wie an allen 30 Verhandlungstagen im grauen Anzug mit Krawatte auf der Anklagebank. Und macht sich, ohne sichtbare Regung, Notizen. Auch, als der Richter sich seinem Verteidiger zuwendet. Rechtsanwalt Dietmar Rudloff müsse sich die Bezeichnung „Winkeladvokat“ – die schon der Staatsanwalt gebrauchte – durchaus gefallen lassen. Habe er sich doch bemüht, mit einer Flut von Anträgen den Prozess zum Platzen zu bringen. „Schuld sind immer die anderen, nicht ich - eine erbärmliche Verteidigungsstrategie“, rügt Lex.

Das Gericht aber sieht die „Schuld“ sehr wohl bei dem Angeklagten. Es verurteilt ihn wegen Betruges im besonders schweren Fall und wegen Insolvenzverschleppung. Gemeinsam mit einem Partner habe Amandus K. Ende der neunziger Jahre zwei Immobilienfonds der Volkssolidaritäts-Kreisverbände Mecklenburg Mitte und Bad Doberan/Rostock Land ins Leben gerufen. Er war sowohl Geschäftsführer eines der Kreisverbände als auch Fonds-Manager.

Beide Männer – gegen den zweiten wurde das Verfahren wegen Demenz eingestellt – haben laut Gericht gewusst, dass die Rentner „ihrer“ Volkssolidarität vertrauen. Ohne den „Deckmantel“ des Wohlfahrtsverbandes hätte der Coup nicht gelingen können, heißt es im Urteil. Mit haltlosen Renditeversprechen von über vier Prozent seien die Anleger gelockt worden. In der Annahme, in soziale Einrichtungen wie Kitas oder Pflegeheime zu investieren und sich selbst einen Platz im Altenheim zu sichern, gaben 1600 meist ältere Leute ihr Erspartes her. Doch die erhofften Mieteinnahmen blieben aus. K., promovierter Philosoph aus Schwerin, hat laut Gericht spätestens 2003 genau gewusst, dass die Fonds pleite sind – und trotzdem immer neue Anleger geworben. Denn nur frisches Kapital habe das Firmenkonstrukt in Gang gehalten. Ein klassisches Schneeballsystem, vor dem schon 2001 eine Beraterin warnte. Insgesamt sind von 2001 bis 2009 rund 9,5 Millionen Euro in den Sand gesetzt worden. Doch die älteren Fälle sind verjährt. 2005 gab K. seine Arbeit bei der Volkssolidarität auf. So legt ihm das Gericht nur 144 Fälle zwischen 2004 und 2005 zur Last. Rund 1,1 Millionen Euro haben die Rentner in jenem Jahr verloren.

Wo die fast zehn Millionen Euro geblieben sind, wollte Gottfried Hörnig vom Interessenverband der Geschädigten von Prozessbeginn an wissen. Unwirtschaftliche Objekte, hohe Kosten für Berater, Auszahlungen für frühere Anleger, ein Privatdarlehen in Höhe von 50 000 Euro an eine Verwandte von K., das nie zurückgezahlt wurde – das sind für ihn nur unbefriedigende Teilantworten. Dennoch sagt er: „Das Urteil ist gerecht. Es entspricht dem Unheil, das K. angerichtet hat.“ Doch noch ist es nicht rechtskräftig. Der Verteidiger hat noch im Gericht angekündigt, dass er es anfechten wird. Da haben die betroffenen Senioren den Saal längst verlassen.


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