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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 17:43 Uhr

Gefälschte Urkunden und zerstörte Kirchen

vom

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erstellt am 18.Nov.2011 | 10:31 Uhr

Berlin | Wenn Bundespräsident Christian Wulff heute im Schloss Bellevue die Träger der ersten fünf Preise des diesjährigen Geschichtswettbewerbs auszeichnet, sind vier Rostocker mit von der Partie. Gesine Mulsow und Ronja Hingst von der Werkstattschule Rostock sind zusammen mit ihren Tutoren Beate Behrens und Tino Strempel als Vertreter der besten teilnehmenden Schule aus MV eingeladen.

Die Achtklässler selbst bekommen einen dritten Preis für ein fiktives Tagebuch des Notars Wilhelm Ulenoge. Er lebte im 16. Jahrhundert und gilt als Mecklenburgs größter Fälscher der Neuzeit. Aus Geldnot fertigte Ulenoge ab Mitte der 1560er-Jahre Urkunden zugunsten seiner adligen Kundschaft. Nachdem der Betrug aufflog, wurden die fälschlich besiegelten adligen Besitztümer eingezogen. Eine angesehene Adlige kam in Haft. Ulenoge wurde auf dem Marktplatz von Güstrow öffentlich hingerichtet. Gesine Mulsow und Ronja Hingst haben erkundet, was sie über den Skandal um Ulenoge herausfinden konnten und ihr Wissen mit Tinte und Feder aufgeschrieben.

Fingierte Leserbriefe

Auch neun Schüler der sechsten Klasse der Evangelischen Grundschule in Benz bei Wismar können sich über einen dritten Preis freuen. "Tatort Marienkirche. Das traurige Ende einer Sprengung" hieß ihr Beitrag über den Abriss der St.-Marien-Kirche in Wismar im Jahr 1960. Sie fanden heraus, dass die Sprengung des alten Kulturdenkmals ohne jede Bürgerbeteiligung stattfand. In zum Teil fingierten Leserbriefen hatten Wismarer "Bürger" 1960 ihren Unmut darüber kundgetan, dass die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchenruine ein für Kinder und Passanten gefährlicher Ort sei. Leserbriefe gegen die Sprengung wurden kaum abgedruckt. Auf Beschwerdebriefe reagierte die Zeitung mit dem Hinweis, dass diese Leserbriefe zu spät eingegangen seien.

Die Schüler zeigten, so die Wettbewerbsjury, wie abweichende Meinungen unterdrückt wurden. Selbst private Briefe seien damals geöffnet, umgeschrieben und weiter versandt worden.

Drei Beiträge aus MV prämiert

Der Geschichtswettbewerb stand in diesem Jahr unter dem Motto "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte". Rund 3600 Kinder und Jugendliche reichten 1152 Beiträge ein. Die fünf ersten Preise wurden mit je 2000 Euro, die 15 zweiten Preise mit jeweils 1000 Euro und die 30 dritten Preise mit je 500 Euro prämiert. Aus Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich in diesem Jahr insgesamt 71 Schüler mit 22 Beiträgen. Drei dieser Beiträge schafften es unter die 50 Preisträger, von denen insgesamt neun aus den neuen Bundesländern eingereicht wurden. Die meisten Preise heimsten Schüler aus Nordrhein-Westfalen ein. Sie waren 19-mal erfolgreich.

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