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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 16:16 Uhr

Prozess in Schwerin : Gefälschte Schnäppchen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geständnis im Prozess um angebliche Markenware

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2014 | 21:00 Uhr

Drei Jahre lang haben zwei Brüder aus Neubrandenburg gefälschte Markenware im Internet versteigert und daran offensichtlich ordentlich verdient. Zwischen 500 und 800 Euro seien monatlich in seine Taschen geflossen, sagte gestern der Ältere der beiden, dem am Schweriner Landgericht der Prozess gemacht wird. Sein Bruder habe mehr als das Doppelte bekommen, fügt er hinzu. Der kann vor Gericht dazu nichts sagen, denn die Ermittler haben bislang erfolglos nach ihm gefahndet. Sie vermuten den 30-Jährigen in der Türkei. Dass der 34-Jährige gestern erstmals in dem nun schon Jahre dauernden Verfahren den Mund aufmacht, hat einen Grund: Das Gericht sicherte ihm zu, ihn maximal zu einer zweijährigen Strafe zu verurteilen und stellte Bewährung in Aussicht – wenn er ein glaubhaftes Geständnis ablegt. Ein Deal zwischen Berufsrichtern, Staatsanwalt und Verteidiger – umstritten, aber vom Gesetzgeber ausdrücklich erlaubt. Mit dem Ziel, Verfahren abzukürzen.

So stand der gestrige zweite Prozesstag ganz im Zeichen der Aussage von Christian A.. Angefangen habe alles mit einem Paket von etwa 30 angeblichen Nike-Sportschuhen, das sie von einem türkischen Händler aus Duisburg erwarben, erzählt der Angeklagte. Sie hätten schnell gemerkt, dass der Einzelverkauf im Internet satten Gewinn abwirft. So seien die „Pakete“ immer größer geworden. Auch noch, als der „Geschäftspartner“ mitteilte, dass die vermeintlichen Markenprodukte Plagiate seien. Später kamen andere Marken und andere Händler hinzu. Falsche Gucci- und Puma-Schuhe, auch Strickjacken, Hemden, Jeans. „Aber selbst gefälscht haben wir nie“, versichert der 34-Jährige, der im Tatzeitraum von 2004 bis 2007 sein Hartz IV-Salär mit dem kriminellen Geschäft aufbesserte. Drohte bei den Internet-Auktionen die heiße Ware für zu wenig Geld wegzugehen, habe sein Bruder mitgeboten. Sie hätten auch Benutzerkonten von Freunden und den eigenen Eltern verwendet. Und wahrscheinlich habe sein Bruder die IP-Adresse, mit der man den Standort des Computers herausfinden kann, manipuliert. Entsprechende Software könne man über das Internet beziehen, sagt der Angeklagte.

Dennoch kam ihnen ein Nike-Anwalt auf die Schliche. Dem jüngeren Bruder ist laut Gericht schon 2005 ein Zwangsgeld von 12 500 Euro angedroht worden, wenn er die falschen Nike-Produkte weiter vertreibt. Was den aber nicht abschreckte. Genauso wenig wie das Verfahren gegen einen ihrer Händler, der aufgeflogen war. „Wir haben trotzdem weiter verkauft. Die Kunden waren zufrieden“, sagt A. Die wussten ja auch nicht, dass ihr Schnäppchen eine Fälschung war. Bis 2007 nach einer Hausdurchsuchung die Ermittler endgültig ein Stoppzeichen setzten. Am 10. September wird voraussichtlich schon das Urteil gesprochen.

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