P+S-Werft : Geduldsprobe für Stralsunder Werftarbeiter

Insolvente P+S-Werft in Stralsund. dpa
Insolvente P+S-Werft in Stralsund. dpa

Der Weiterbau von zwei DFDS-Fähren soll die insolvente P+S-Werft interessant für Käufer machen. Doch statt Baulärm herrscht Stille in den Schiffbauhallen. Die dänische Reederei hat den Vertrag noch nicht unterzeichnet.

svz.de von
08. Januar 2013, 09:46 Uhr

Stralsund | In den Schiffbauhallen der insolventen Stralsunder P+S-Werft stehen die Arbeiten weiter still. Der Grund: Der geplante Weiterbau von zwei Schiffen für die dänische Reederei DFDS verzögert sich. Die Reederei hat bislang den Vertrag nicht unterschrieben. "Wir verhandeln noch", teilte der DFDS-Sprecher Gert Jakobsen gestern auf Anfrage mit.

Ein Vorbereitungsteam von 60 bis 70 Schiffbauern sollte ursprünglich am Montag mit dem Weiterbau der im Mai 2011 auf Kiel gelegten Neubauten starten. Solange der Vertrag nicht unterschrieben sei, werde damit nicht begonnen. "Nur wer unterschreibt, kann auch ein Schiff bekommen", stellte der Sprecher der Insolvenzverwaltung, Cord Schellenberg, klar. Die Schiffe mit einer Ladekapazität von 185 Lastwagen und knapp 350 Containerstellplätzen sollen später im Fährlinienverkehr und für den Transport von deutschen und dänischen Truppen und Technik in Krisengebiete eingesetzt werden. Einig sind sich beide Seiten offenbar über den Kaufpreis. DFDS plant, die Schiffe für 84 Millionen Euro zu übernehmen. Nach Angaben der dänischen Reederei müssten aber noch inhaltliche Aspekte wie technische Details oder genaue Liefertermine verhandelt werden. Zudem stünden auch noch Gespräche mit den Kunden aus, die die Schiffe künftig nutzen wollen. Wann die Verhandlungen abgeschlossen werden, ließen sowohl die Werft als auch die Reederei offen.

Trotz der Verzögerungen steht das Land Mecklenburg-Vorpommern weiter zu den Bürgschaften in Höhe von 43,5 Millionen Euro, wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums bestätigte. Das Land hatte auf einen Vertragsabschluss noch im Jahr 2012 gedrungen. Schon kurz vor Weihnachten hieß es, der Vertrag sei "endverhandelt". Mit den staatlichen Garantien soll der Weiterbau der beiden je 195 Meter langen RoRo-Fähren abgesichert werden. Die IG Metall geht nach Angaben eines Sprechers davon aus, dass die Verträge "in Kürze" unterschrieben werden und die Arbeit auf der Werft fortgesetzt werden kann.

Die Fertigstellung der Schiffe soll rund 300 Stralsunder Schiffbauer für ein Jahr beschäftigen. Dafür wurde im Dezember eine Betreibergesellschaft gegründet, über die die Mitarbeiter den Auftrag auf der Werft abarbeiten sollen. Das DFDS-Projekt hat neben der beschäftigungspolitischen auch eine strategische Bedeutung für den Schiffbaustandort Stralsund: Mit dem Weiterbau an den Schiffen können qualifizierte Arbeitskräfte in der Hansestadt gehalten werden.

Fachkräfte aus der Metallbaubranche sind nach Angaben der Transfergesellschaft in ganz Norddeutschland gefragt. Zudem ist eine Werft mit einem laufenden Auftrag für mögliche Kaufinteressenten deutlich attraktiver.

Bislang liegen nach Angaben der Insolvenzverwaltung zwar mehrere unverbindliche Anfragen vor. Ein belastbares Kaufangebot für die Stralsunder Werft sei bislang aber nicht dabei. Die Schwesterwerft in Wolgast wurde zum 1. Mai 2013 an die Bremer Lürrsen-Werft verkauft.

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