"Gedöns" auf dem Gipfel

<strong>In einem Familienkonvent </strong> soll über die Belange von Kindern und Familien beraten werden. <foto>archiv</foto>
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In einem Familienkonvent soll über die Belange von Kindern und Familien beraten werden. archiv

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13. März 2013, 10:19 Uhr

Berlin | Mehr Zeit für Familien? Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbände haben gestern bei einem Familiengipfel über flexiblere Arbeitszeiten für Eltern beraten. "Da sind alle gefragt", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die Adresse der Unternehmen. Es gebe bei diesem Thema "mit Sicherheit keine Einheitslösungen". Hintergründe zum Berliner Familiengipfel von unserem Hauptstadtkorrespondenten Rasmus Buchsteiner.

Wie zufrieden sind Eltern in Deutschland mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Laut dem neuen Familienmonitor 2012 des Allensbach-Instituts wünschen sich 89 Prozent der Bundesbürger flexiblere Arbeitszeiten, um den Bedürfnissen der Familie besser gerecht zu werden. Die Hälfte aller Väter würde gerne die eigenen Arbeitszeiten reduzieren. Frauen wünschen sich dagegen eher Entlastung im Familienalltag - etwa durch eine bezahlte Haushaltshilfe. Drei Viertel der Eltern von unter 16-Jährigen hätten gern mehr Zeit für die Familie. Eine andere Umfrage hingeen zeigt: Vier von zehn Frauen bereuen im Nachhinein aus Karrieregründen, Elternzeit genommen zu haben.

Wie teilen Eltern Arbeit und Kindererziehung auf?

Der Vater mit Vollzeitjob, die Mutter zu Hause bei den Kindern oder mit Teilzeit-Arbeit - ein Familienmodell, das in Deutschland immer noch weit verbreitet ist. Nach einer Studie des Hans-Böckler-Instituts arbeiten Väter in Westdeutschland jede Woche 17 Stunden mehr in ihrem Beruf als Mütter. Die Teilzeit-Quote bei Frauen ist hoch. Mehr als die Hälfte der Mütter arbeitet Teilzeit, viele in Minijobs.

Was hat der Familiengipfel gebracht?

Es gab keine greifbaren Ergebnisse, stattdessen Diskussionen und Appelle: Die Kanzlerin warb vor Spitzenvertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern für ein familienfreundlicheres Arbeitsleben. Künftig soll die Regierung einmal jährlich einen Bericht über Fortschritte bei Teilzeitangeboten, flexiblen Arbeitszeiten und Kinderbetreuung vorlegen. Die Wirtschaft bekräftigte beim Spitzentreffen, sich weiter für eine flexible, familienbewusste Arbeitszeitgestaltung einzusetzen.

Was plant die Politik zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Die Bundesregierung setzt auf den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige. Ab August 2013 gilt für diese Altersgruppe ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Relativ neu ist der Vorschlag von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, einen Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeitarbeit einzuführen. Allzu oft werde Teilzeitbeschäftigung insbesondere für Frauen zur "Sackgasse", so die Argumentation der beiden CDU-Ministerinnen. Die FDP ist gegen den Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeitarbeit.

Welche Bestimmungen gelten bisher für Eltern bei den Arbeitszeiten?

Gesetzlich verankert ist bislang nur ein Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit. Er gilt in Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern und kann nur aus wichtigen betrieblichen Gründen abgelehnt werden - etwa wegen wesentlicher Beeinträchtigungen des Arbeitsablaufs.

Wird Familienpolitik zum großen Thema im Bundestagswahlkampf?

Familienpolitik gilt nicht mehr als "Gedöns", sondern längst als wichtiges Politikfeld für alle Parteien. Die CSU dürfte im Wahlkampf vor allem darauf verweisen, das Betreuungsgeld durchgesetzt zu haben. In der Union wird bereits über einen Umbau des Ehegatten- zum Familiensplitting nachgedacht. SPD und Grüne zielen dagegen auf ein Abschmelzen des Ehegattensplittings. Die Sozialdemokraten wollen einen Kindergeldzuschlag für Geringverdiener durchsetzen.

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