Geburtshilfe mit Blaulicht?

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14. Mai 2013, 08:39 Uhr

Schwerin | Sind Polizisten einer werdenden Mutter auf den Leim gegangen? Bei einer Verkehrskontrolle gab eine Frau an, dass ihre Fruchtblase geplatzt sei. Um rechtzeitig ins Schweriner Klinikum zu kommen, sei sie zu schnell gefahren. "Die Beamten, die sie kontrollierten, wollten ihr helfen, aber die junge Frau wollte alleine weiterfahren. Deshalb eskortierte einer der Beamten die werdende Mutter durch den Berufsverkehr über den Obotritenring zum Klinikum", berichtet Steffen Salow, Sprecher der Polizeiinspektion Schwerin.

Einer der Kollegen sei auf seinem Motorrad mit Blaulicht vorweg gefahren und habe so den Weg für die hochschwangere Frau freigemacht. Der Beamte habe sie sogar bis zum Eingang des Klinikums begleitet, damit sie auch sicher ankomme. "Als ich die Geschichte gehört habe, sagte ich meinen Kollegen, sie müssten unbedingt einen Bericht schreiben, so etwas passiert schließlich nicht jeden Tag", erzählt Salow.

Eine nette Geschichte, die den guten Willen der Polizei zeigt. Nur leider ist laut Christian Becker, Sprecher der Helios Kliniken Schwerin, keine hochschwangere Frau am Montag zwischen 16 und 17 Uhr mit einer Polizeieskorte eingeliefert worden. "Wir haben bei dem Personal des Kreißsaals und der Entbindungsstation nachgefragt, und niemand erinnert sich an eine solche Geschichte. Und das ist schon sehr merkwürdig, weil so etwas nicht ständig passiert", sagt Becker. Die Anzahl der werdenden Mütter, die zu diesem Zeitpunkt eingeliefert wurden, sei überschaubar gewesen - es waren lediglich zwei - und von denen "gab auch keine zu, die gesuchte Frau zu sein", so Becker.

Eine kuriose Geschichte, findet auch Polizeisprecher Salow: "Es ist schon sehr komisch, dass sich niemand an die Frau erinnert." Außerdem sei die überschrittene Geschwindigkeit nicht mal sehr hoch gewesen. Auf ein Bußgeld sei angesichts der Umstände gänzlich verzichtet worden. "Wir wollten mit diesem Verhalten zeigen, dass die Polizei den Menschen in Not hilft und auch mal bei Ausnahmesituationen die Vorschriften beiseite legt. Aber scheinbar hat die Frau nur gesagt, dass sie Wehen bekommen hatte, um einer Verwarnung zu entgehen, anders kann ich mir das nicht erklären." Oder war alles nur ein Missverständnis? Gestern Abend berichtete ein Radiosender, die Frau habe sich gemeldet. Sie sei nach der Polizeihilfe direkt in den Kreißsaal gekommen, aber wieder heimgefahren, da das Kind auf sich warten ließ. Als Patientin sei sie nicht aufgenommen worden.

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