Nandus in MV : Geburtenkontrolle per Akkuschrauber

Ranger Mario Axel untersucht ein verlassenes Nest mit Nandueiern.
Ranger Mario Axel untersucht ein verlassenes Nest mit Nandueiern.

Ranger bohren Nandu-Eier an. Mit dieser Aktion soll der Bestand eingedämmt werden.

svz.de von
12. Mai 2017, 12:00 Uhr

Etwa 20 Eier im XXL-Format und Eierschalen liegen in einem Nest am Boden. Das Gelege der Nandus auf einer Wiese bei Schattin in Nordwestmecklenburg ist verlassen, wie Ranger Mario Axel vermutet. Die Eier sind kalt, einige sind kaputt und leer. Sie waren erst vor drei Tagen von Rangern des Biosphärenreservats Schaalsee-Elbe angebohrt worden. Dabei wurde die Schale von 4 der 23 Eier bis ins Dotter durchbohrt, um sie unfruchtbar zu machen, wie Axel berichtet. Das Anbohren der Eischalen gilt als mildestes Mittel der Bestandsregulierung, auf der Landwirte beharren. Nach ihrer Ansicht läuft die Zahl der verwilderten Nandus aus dem Ruder. Die Eingriffe mit dem Akkubohrer wurden in diesem Jahr zum ersten Mal genehmigt.

Noch niemand hat Erfahrungen damit, räumt Axel ein. Die Vögel bemerken die Manipulation an den Eiern normalerweise eine ganze Weile nicht, wie der Ornithologe Klaus-Dieter Feige erklärt. Irgendwann geben sie auf. Würde man den Vögeln dagegen die Eier wegnehmen, würden sie sofort nachlegen.

Aber möglicherweise lassen sich die Nandus, denen wenig Intelligenz nachgesagt wird, doch nicht so leicht überlisten. In der Ferne ist ein grau-schwarzer Hahn mit seinem Harem aus vier oder fünf Hennen zu erkennen. Die Balzzeit ist noch nicht vorbei, sie können erneut ein Nest bauen, das nur schwer zu finden ist. Bisher haben Ranger lediglich zwei Gelege entdeckt.

Im Norden wächst die Sorge über die Ausbreitung der flugunfähigen Einwanderer.
Jens Büttner
Im Norden wächst die Sorge über die Ausbreitung der flugunfähigen Einwanderer.
 

Nur bis zum 15. Mai dürfen die Eier angebohrt werden, und bis dahin nur solche, die noch kein Embryo enthalten. „Der Entwicklungsstand der Eier ist an ihrer gelben Färbung zu erkennen, erläutert Axel. Ein Gelege enthält im Schnitt 20 bis 25 Eier. Aus jedem zweiten schlüpft ein Küken. Um die Jahrtausendwende waren einige der straußenähnlichen Vögel aus einem Gehege in Groß Gronau südlich von Lübeck entlaufen. Die flugunfähigen Vögel sind ursprünglich in Südamerika beheimatet. Die Grenzregion zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein mit Wiesen und Feldern sagte ihnen offensichtlich zu. Sie blieben und vermehrten sich. Bei der diesjährigen Frühjahrszählung waren 220 Tiere registriert worden, 60 mehr als ein Jahr zuvor.

Bauern in der Region sehen ihren Feldern den Zuwachs an. Wenn sie über ein Rapsfeld ziehen, ist nichts Grünes mehr zu sehen. 2016 mussten 15 Hektar Raps umgebrochen und neu bestellt werden. Ein Nandu frisst bis zu 1,5 Kilogramm Blätter täglich. Auch Weizen und Zuckerrübenblätter nehmen die Vögel.

Staatliche Entschädigungen gibt es nicht, Nandus sind keine heimische Tierart. Der Kreisbauernverband stellte daher einen Antrag im Namen von etwa 20 betroffenen Landwirten beiderseits der Grenze und bat um die Einschränkung der Population. Dem stimmte das Biosphärenreservatsamt zu. Die Ranger des Reservats bohren die Eier in den Naturschutzgebieten an, auf den Feldern tun es die Bauern selbst. Die Landwirte müssten aber genau dokumentieren, wo sie welche Gelege unfruchtbar gemacht haben.

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