Gaskraftwerk in Lubmin : Gazprom kommt aus der Deckung

<fettakgl>Die Energiewerke Nord </fettakgl>treiben die Planungen für ein Gaskraftwerk voran, Gazprom steht Gewehr bei Fuß.<foto> Archiv</foto>
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Die Energiewerke Nord treiben die Planungen für ein Gaskraftwerk voran, Gazprom steht Gewehr bei Fuß. Archiv

Der russische Energiekonzern Gazprom plant offenbar ein Kraftwerk in Lubmin. Die Energiewerke Nord rechnen mit einer Investitionssumme von 800 Millionen Euro für das Gas- und Dampfkraftwerk.

svz.de von
03. Januar 2013, 06:39 Uhr

Greifswald | Der russische Energiekonzern Gazprom steht offenbar als Investor für das geplante neue Gaskraftwerk in Lubmin Gewehr bei Fuß: "Wenn sich das ökonomisch rechnet, ist es für uns von Interesse", sagte der Sprecher von Gazprom Germania, Burkhard Woelki, gegenüber unserer Redaktion. Grundsätzlich müsse im gegenwärtig unübersichtlichen Energiesektor aber Klarheit und Sicherheit geschaffen werden.

Dass die Verhandlungen mit Gazprom schon weiter fortgeschritten sind als bislang bekannt, legen auch Äußerungen aus Kreisen der Energiewerke Nord (EWN) in Lubmin nahe. So hieß es, dass es konkrete Fortschritte bei der Suche nach einem Investor gäbe. Erst jüngst hatte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) in der Schweiz bei Gazprom für das Kraftwerksprojekt geworben. Die EWN rechnen mit einer Investitionssumme von 800 Millionen Euro für das Gas- und Dampfkraftwerk. Die Leistung soll 1350 Megawatt betragen.

Auf Eis liegt unterdessen das von EnBW seit 2002 angestrebte Projekt eines eigenen Gaskraftwerkes am Standort Lubmin. "Wir haben gegenwärtig keine konkreten Absichten, dort irgendetwas zu bauen", sagte Konzern-Sprecherin Friederike Eggstein, die auch die derzeit unsichere wirtschaftliche Lage im Energiebereich dafür verantwortlich machte. EnBW denke auch nicht daran, in das nun von den Energiewerken Nord angestrebte Projekt als Investor einzusteigen.

Wie berichtet, hatten die EWN ihre eigenen Planungen für die Ansiedlung eines Gaskraftwerkes jüngst vorangetrieben. Seit Ende November waren die Antragsunterlagen für die erste Teilgenehmigung in zehn Ämtern von Vorpommern einsehbar, am kommenden Montag, endet die Auslagezeit. Einwendungen sind noch bis zum 21. Januar möglich. Die EWN hatten 2010 die Rumpfplanungen des am Standort gescheiterten Steinkohlekraftwerks vom dänischen Energiekonzerns Dong Energy übernommen und die Unterlagen für ein Gaskraftwerk modifiziert.

Der Umweltverband BUND, der sich noch 2009 alternativ zum Kohle- für ein Gaskraftwerk ausgesprochen hatte, kündigte bereits Widerstand gegen den EWN-Antrag an. Auch die Linksfraktion im Landtag äußerte sich skeptisch. Zwar stimme man dem Antrag auf Errichtung von Gaskraftwerken unter der Bedingung zu, dass es für eine Übergangszeit und ausschließlich als Regelkraftwerk mit einer deutlich niedrigeren Leistung als bisher vorgesehen gebaut werde, sagte die energiepolitische Sprecherin der Oppositionsfraktion, Mignon Schwenke. So würde sich auch die größte Umwelthürde, die Erwärmung des Bodengewässers durch die fehlende Kraft-Wärme-Kopplung, deutlich minimieren. Neue fossile Grundlastkraftwerke lehne man aber ab. Das beziehe sich ebenso auf das ruhende Verfahren von EnBW. Zwei Regelkraftwerke an diesem Standort seien ebenso wenig nötig wie akzeptabel.

Die Umweltauswirkungen seien bei Gaskraftwerken deutlich geringer als beim Projekt Steinkohlekraftwerk. "Die Versuche, die Erwärmung des Boddens zu minimieren, bergen aber auch die größten Gefahren", sagte Schwenke. In den Unterlagen werde in dem Zusammenhang zum Ausdruck gebracht, dass intensiv nach großen Energie- und Wärmeverbrauchern für den Standort Lubmin gesucht werde . "Ein Horrorszenario wäre aus meiner Sicht die Ansiedlung von Aluminium-, Papier-, Glasindustrie oder anderen stark umweltbeanspruchenden Industrien", sagte Schwenke.

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