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Joachim Gauck in MV : Gaucks letzter Besuch als Bundespräsident auf der Kippe

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Joachim Gaucks Worte sind wohlgesetzt, seine Handlungen selten zufällig. Nun wollte er ein letztes Mal als Staatsoberhaupt in den Nordosten. Doch er muss krankheitsbedingt absagen - zumindest den Besuch in Wismar.

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erstellt am 19.Feb.2017 | 10:11 Uhr

Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen für Montag geplanten Besuch in Wismar wegen einer Erkrankung abgesagt. Das teilte die Pressestelle der Hansestadt am Sonntag mit. Ob die für Dienstag geplante Visite in Stralsund und Greifswald stattfinden kann, blieb zunächst offen.

Sieben Mal hatte der gebürtige Rostocker Gauck als Bundespräsident seinem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern offizielle Besuche abgestattet. Die fünfjährige Amtszeit endet am 17.März. Zum Nachfolger des 77-Jährigen ist der frühere Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gewählt worden.

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Obwohl der Lebensmittelpunkt von Joachim Gauck seit mehr als zwei Jahrzehnten in Berlin liegt, hängt das Herz des scheidenden Bundespräsidenten wohl mit mehr als nur einer Faser an seiner alten Heimat Mecklenburg-Vorpommern. Entspannung sucht der heute 77-Jährige privat im Ostseebad Wustrow, wo die Großmutter der Familie ein Reetdach-Haus am Deich hinterließ. Und zum Ende seiner Amtszeit besucht Gauck nun auch noch ein letztes Mal in seiner Funktion als Bundespräsident den Nordosten.

Dass er dabei beide Landesteile, Mecklenburg und Vorpommern, besucht, dürfte alles andere als Zufall sein. Auch Gauck ist es nicht verborgen geblieben, dass sich Menschen im Landesosten von der Politik vielfach vernachlässigt fühlen. Die Landtagswahl im vorigen September mit großen Stimmengewinnen für die vielfach mit populistischen Forderungen auftretenden AfD legte davon Zeugnis ab.

So besucht Gauck nach Wismar am Montag tags darauf auch Stralsund und Greifswald. In Wismar wird er den historischen Kern der Hansestadt besichtigen und mit Vertretern der Stadt, Denkmalschützern und Jugendlichen über den Schutz des kulturellen Erbes diskutieren. Die Altstadt Wismars war 2002 zusammen mit Stralsund in die Unesco-Welterbe-Liste aufgenommen worden. Beide Städte profitieren davon durch spürbar wachsendes Besucherinteresse. Und Gaucks Visite vier Wochen vor der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier verspricht nun zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit.„Er ist als Rostocker unserem Land immer besonders verbunden gewesen.

Und es freut mich, dass er zum Ende seiner Amtszeit noch einmal für zwei Tage nach Wismar, Greifswald und Stralsund kommt“, sagt Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und würdigt Gaucks Wirken im hohen Amt: „Joachim Gauck hat mit seiner Amtsführung dafür gesorgt, dass das Amt des Bundespräsidenten wieder an Stärke gewonnen hat.“

Sieben Mal hatte Gauck im Lauf seiner fünfjährigen Amtszeit Mecklenburg-Vorpommern offizielle Besuche abgestattet. Anfang August 2012 nahm der gebürtige Rostocker in seiner Heimatstadt die Ehrenbürgerwürde entgegen und eröffnete die Hanse Sail. Wenige Woche später nahm er an der Gedenkveranstaltung zu den fremdenfeindlichen Ausschreitungen von 1992 in Rostock-Lichtenhagen teil. Eindringlich warb er für eine wehrhafte Demokratie und mahnte eine offensive Auseinandersetzung mit rechtsextremistischen Ideologien und Fremdenhass an.

Noch vor seinem offiziellen Antrittsbesuch im Land im Mai 2013 ließ er in der Wismarer Georgen-Kirche die ZDF-Sendung „Weihnachten mit dem Bundespräsidenten“ aufzeichnen. Im Juli 2014 war er bei einem Benefizkonzert in Neubrandenburg und im September des gleichen Jahres in Bad Doberan und Heiligendamm Gastgeber für das Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter. Im November 2014 stellte er sich im NDR-Landesfunkhaus einer Gesprächsrunde zu „25 Jahre Mauerfall“.

Mit dem neuerlichen Besuch in Mecklenburg-Vorpommerns beschließt Gauck laut Bundespräsidialamt auch die Reihe „Verantwortung vor Ort - Engagement in den Kommunen“. Dabei habe er sich an verschiedenen Orten im gesamten Bundesgebiet über die jeweiligen Herausforderungen in Kommunen informiert und das Engagement von Bürgern und Kommunalpolitiker gewürdigt. In Greifswald will Gauck unter anderem mit Vertretern von Migrantenorganisationen, Flüchtlingsbeauftragten und ehrenamtlichen Helfern sprechen, um sich über die Wirkung von Integrationsmaßnahmen zu informieren.

Die Amtszeit des Bundespräsidenten endet am 17. März. Bei der Wahl seines Nachfolgers Steinmeier in Berlin würdigten mehrere Redner Gaucks Verdienste.

 

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