Gauck beim Antrittsbesuch

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) empfängt in Potsdam zusammen mit seiner Frau Jeanette Jesorka den Bundespräsidenten Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt. Foto: Bernd Settnik dpa
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Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) empfängt in Potsdam zusammen mit seiner Frau Jeanette Jesorka den Bundespräsidenten Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt. Foto: Bernd Settnik dpa

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05. März 2013, 07:53 Uhr

Potsdam | Im Schein der Morgensonne fegen zwei Mitarbeiter noch schnell den Eingang der Staatskanzlei. Dann wird es ernst. Sieben Polizeimotorräder biegen auf den Kopfsteinpflasterhof, dann die dunkle Limousine mit dem amtlichen Kennzeichen "0-1", zum Schluss ein Rettungswagen. Bundespräsident Joachim Gauck ist da.

Als achtes Bundesland erlebt Brandenburg den offiziellen Antrittsbesuch des Staatsoberhaupts und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt. Ein Jahr, nachdem Gauck den Freistaat Sachsen besuchte, gibt er nun Brandenburg die Ehre. "Einen wunderschönen Tag", wünscht Ministerpräsident Matthias Platzeck und überreicht der früheren Journalistin Schadt ein Rosensträußchen, während die First Lady der Mark, Jeanette Platzeck, in ihrem durchsichtigen Top und grünen Röckchen mit der Sonne um die Wette strahlt.

Vorbei ist das Kaiserwetter wenige Minuten später im Landtag. Nach einem Arbeitsfrühstück mit dem Kabinett und vor einer Begegnung mit den Fraktionsvorsitzenden dürfen die Journalisten einige Fragen an den Bundespräsidenten stellen. Sie haben nur eine: "Herr Gauck, wie sehen Sie den Großflughafen?" Das Staatsoberhaupt druckst diplomatisch herum. Er wisse auch nichts anderes als jeder Zeitungsleser, wolle deswegen keine Ratschläge erteilen. Aber dann wird Gauck doch deutlich: "Das ist ein Vorgang, der uns sehr herausfordert", sagt der Bundespräsident. "Es hilft uns, wenn wir das Problem schnell bereinigen." Schräg hinter Gauck steht der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Matthias Platzeck. Das Lächeln in seinem Gesicht ist verflogen. Der Ministerpräsident wirkt irgendwie bedröppelt.

Einige Stunden später. Das Staatsoberhaupt besucht Chorin. Das einst von den Askaniern errichtete Kloster aus märkischen Backsteinen leuchtet zinnoberrot aus dem Wald hervor. Auf den hat es auch Joachim Gauck abgesehen. Denn das zentrale Thema seines Brandenburg-Besuchs ist die Nachhaltigkeit. In der Landeswald oberförsterei Chorin will sich Joachim Gauck über Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft informieren. So wie vor ihm schon Angela Merkel (CDU) und sein Amtsvorgänger Christian Wulff. Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte das Projekt für den Besuchsplan vorgeschlagen. "Es waren ja die Förster, die den Begriff erfunden haben", sagt Gauck zur Begrüßung. Zunächst allerdings geht es um Nachhaltigkeit im Eheleben. Oberforstrat Roland Ueckermann, wie Gauck ein gebürtiger Mecklenburger, feiert seinen 30. Hochzeitstag mit den Politikern. Für die daheim gebliebene Gattin will er sich von Gauck und Platzeck ein Buch signieren lassen. "Sind Sie da sicher?", fragt der Bundespräsident. "Weder bei mir noch bei Matthias Platzeck hat es beim ersten Mal geklappt."

Doch dann wird das Gespräch ganz ernst. Der Leiter der Landeswaldoberförsterei, Eberhard Luft, spricht darüber, wie Förster schon im 19. Jahrhundert genaue Pläne über ihren Wald erstellten. "Sie legten fest, wann was geerntet werden konnte: Man schlägt nur so viel, wie auch nachwächst", sagt Luft. "Sie haben sich viel Mühe für ihre Nachfahren gemacht." Gauck hört interessiert zu, fragt nach. Was denn mit den ganzen Tanks passiert ist, die die Russen in das Land brachten? Und ist es besser für den Wald, allein gelassen zu werden, oder sollte man ihn bewirtschaften und das Wild bejagen? Ausführlich antworten die Förster, so wie später auch die Mitarbeiter im Ökodorf Brodowin, Brandenburgs Vorzeigeprojekt in Sachen Ökologischer Landbau. Dort besichtigt der Bundespräsident eine Molkerei, die mit EU-Mitteln gefördert wurde - und Gauck bekennt, auch selbst regelmäßig Butter aus Brodowin zu essen.

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