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Horizontalbohrung bei Horst : Gasleitung taucht unter der Elbe durch

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Ein paar Container, ein Gestängewagen, ein paar Mischbecken, ein Bagger - viel mehr ist nicht zu sehen. Kaum zu glauben, dass dort am 10. November eine Stahlrohrleitung von 140 Zentimetern Durchmesser auftauchen soll.

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erstellt am 03.Nov.2011 | 11:50 Uhr

Horst | Es ist die längste Horizontalbohrung der westlichen Welt. Doch der Autofahrer, der nur wenige Meter von der Großbaustelle entfernt auf der B 5 vorbeirauscht, wird das kaum bemerken. Ein paar Container, ein Gestängewagen, ein paar Mischbecken, ein Bagger - viel mehr ist nicht zu sehen. Und auch beim näheren Hinsehen ist kaum zu glauben, dass an dieser Stelle am 10. November eine Stahlrohrleitung von 140 Zentimetern Durchmesser aus dem gräulichen Schlamm auftauchen soll. Komplett durchgezogen unter der Elbe, in einem vorbereiteten Bohrloch von immerhin 1,80 Metern Durchmesser.

Derzeit zu sehen ist ein graues Schlammbecken, in dem ein verdächtiges dünnes Gestänge rotierend verschwindet. Und dennoch geht es auf der Horster Baustelle um eine ingenieurtechnische Meisterleistung des Sonderklasse.

Erdgasleitung trifft auf großen deutschen Fluss, mitten im früheren Niemandsland, darum geht es. Auf niedersächsischem Gebiet warten bereits 60 verschweißte je 18 Meter lange Rohre, um am Stück auf gut 1080 Metern unter der Elbe durchgezogen zu werden. Bis es vermutlich am 10. November soweit ist, muss allerdings noch jede Menge Geschiebemergel, müssen Schluffe und Tonerden aber auch einige Steine aus dem Grund unter der Elbe hoch geholt werden. Denn genau das liegt lief unter dem Flussbett und entspricht damit den Erwartungen der Planer, wie Jochen Hanika von der zuständigen Firma ISKL verriet.

Planung und Vorbereitung sind fast alles bei dem Vorhaben, weltweit soll es bei dem HDD-Verfahren nur eine längere Bohrung in Turkmenistan geben. Ein Jahr wurde geplant und vermessen, bevor die holländische Spezialfirma "Visser& Smit Hanab" loslegen konnte. Für die Holländer heißt es nur: Schaale, Boize, Elbe und Weser. Unter all diesen Flüssen muss die Riesenleitung gelegt werden. Und die Holländer können das billiger als ein Mikrotunnel kosten würde, und sie können es mit einer verblüffenden Genauigkeit.

Ein paar Hundert Meter vor dem Elbdeich nahe Horst geht es los mit einem Neigungswinkel von sieben Grad. Wenn die nötige Tiefe erreicht ist, wird horizontal unter dem Flussbett gebohrt, um auf niedersächsischer Seite wieder Hunderte Meter hinter dem Deich herauszukommen. Es beginnt mit der Pilotbohrung und kleinem Durchmesser bevor dann mit den so genannten Ausräumern nach und nach der gewünschte Durchmesser erreicht wird. Das alles passiert bei ständiger Spülung mit einer Spezialmischung, die auch noch naturverträglich ist. Diese Bohrung verläuft mindestens 15 bis 20 Meter unter dem eigentlichen Flussgrund. Um zentimetergenau nach 1080 Metern am anderen Flussufer anzukommen ist kein Schiff auf der Elbe, kein Nachmessen per Satellit nötig. Vorgeschrieben ist vielmehr ein Kreiselkompass, der während der Bohrung über einen Messdraht gesteuert wird.

Den eigentlichen Durchbruch, d. h. eine feste Verbindung unter der Elbe hindurch, die gibt es schon seit einigen Tagen und das gleich doppelt. Denn neben der eigentlichen Rohrleitung wird unter dem an dieser Stelle 300 Meter breiten Fluss eine zweite, viel kleinere Röhre gespült und gebohrt. Zwischen beiden liegen elf Meter Abstand. Während die eine Bohrung die eigentliche Erdgasleitung aufnimmt, wird die anderen Röhre in der Bauphase für den Transport des Schlammgemisches benötigt und kann nach dem Bau der Leitung ein Glasfaserkabel z. B. für Internetverbindungen aufnehmen.

Gestern, als das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hatten die rund um die Uhr arbeitenden Mannschaften die große Bohrung schon auf 476 Meter bei mittlerer Größe gebracht. "Ziehen, rotieren und spülen sind die Zauberworte, d. h. mit dem Gestänge werden immer größere rotierende Ausräumer durch die schon vorhandene Bohrung gezogen und so der Durchmesser erweitert. Als Krönung das Ganzen wird nach einer letzten Säuberungsaktion die Rohrleitung in die ständig mit Spülflüssigkeit gefüllt Bohrung gezogen. Wenn alles glatt läuft soll die 900 Tonnen schwere Leitung am 10. November in nur wenigen Stunden durch die Elbe gezogen werden, unspektakulär für den Laien und dennoch eine technische Meisterleistung.

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