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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 06:54 Uhr

Gaskraftwerk stößt auf Widerstand

vom

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2013 | 10:50 Uhr

Greifswald | Erst haben sie das Kohlekraftwerk am vorpommerschen Energiestandort Lubmin gekippt, jetzt machen die Bürgerinitiativen auch gegen das dort geplante Gaskraftwerk mobil. Heute Abend laden die Grünen zu einem Forum der Gegner im Seebad ein. Bemerkenswert dabei: Als es 2008 noch gegen das Kohlekraftwerk ging, befürworteten die Kritiker ein Gaskraftwerk.

"2008 war die Energiewende noch nicht in aller Munde. Was damals noch sinnvoll erschien, muss es heute nicht mehr sein", begründet Monique Wölk vom Greifswalder "Forum Energiewende" den Sinneswandel. Wölk wird bei der Veranstaltung der Grünen heute Abend den Vortrag zur Einführung in das Thema halten. Schon allein die schiere Größe der Investition, die dann 30 bis 40 Jahre stehe, lasse die Frage zu, ob die Mittel nicht anderweitig besser angelegt seien. Wie berichtet, rechnen die das Gaskraftwerk planenden Energiewerke Nord (EWN) mit einer Investitionssumme von 800 Millionen Euro für das Gas- und Dampfkraftwerk. Die Leistung soll 1350 Megawatt betragen. Diese Mittel seien besser in der Suche nach und der Forschung für Speicherkapazitäten von erneuerbaren Energien angelegt, argumentiert Wölk. Die Produktionstechnologie dafür sei mittlerweile soweit fortgeschritten, dass "möglichst bald" sowohl Strom als auch Wärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werden könne. Ein Gaskraftwerk stehe diesen Ideen entgegen. "Wenn schon eines, dann könnte man über ein Hybridkraftwerk nachdenken", sagt die Kritikerin. Diese neueste Technologie würde auch die gesamte Region Vorpommern nach vorne bringen.

Die EWN hatten in den vergangenen Monaten ihre eigenen Planungen für die Ansiedlung eines Gaskraftwerkes vorangetrieben. 2010 hatten die Energiewerke die Rumpfplanungen des am Standort gescheiterten Steinkohlekraftwerks vom dänischen Energiekonzern Dong Energy übernommen und die Unterlagen für ein Gaskraftwerk modifiziert.Seit Ende November waren die Antragsunterlagen für die erste Teilgenehmigung in zehn Ämtern von Vorpommern einsehbar. Die Auslagezeit ist inzwischen beendet, rund 600 Einwendungen sind eingereicht. Im April beginnt die Anhörungsphase. Die Befürworter rechnen mit einem Schub für den Standort, neuen Arbeitsplätzen und fast einer Milliarde Euro an Investitionen.

"Nach den knapp 600 Einwendungen gegen das geplante Gaskraftwerk wollen wir über weitere Schritte beraten", kündigte Rosemarie Wagner von den Bündnisgrünen Vorpommern-Greifswald nun an. Der Standort Lubmin bleibe in der Diskussion, ergänzt auch Ulrich Rose von den dortigen Grünen: "Die EWN beantragten die Genehmigung für ein Gaskraftwerk mit der von DONG Energy übernommenen, modifizierten Planung für ein Steinkohlekraftwerk, ohne allerdings bisher einen Investor für das Projekt zu haben", kritisiert er. Die Planungen seien ausgerichtet auf ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit 1800 Megawatt elektrischer Leistung - zu viel, sagen viele der Einwendenden. Und Rose korrigiert auch den Eindruck, dass das Gaskraftwerk von den Kritikern generell abgelehnt werde: Die meisten seien für ein Gaskraftwerk - aber entweder für ein viel kleineres oder ein Kraftwerk an einem anderen Standort in der Nähe von Wärme-Abnehmern. Denn in Lubmin gäbe es für das große Kraftwerk, das mit einem Nutzungsgrad von 60 Prozent betrieben werden solle, keine Abnehmer für eine Kraftwärmekopplung, die den Nutzungsgrad in akzeptable Bereiche bringen würde.

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