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Spitzenforschung in MV : Gas plus Strom gleich Wundheilung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie in Greifswald ist Weltspitze.

Zu sagen, Plasma sei vielfältig einsetzbar, wäre grob untertrieben. Mit dem ionisierten Gas können zum Beispiel Oberflächen behandelt, elektrische Prozesse oder Schweißvorgänge beeinflusst, kleinste Gasmengen gefunden oder in Zukunft sogar große Wassermengen gereinigt werden. In diesem Forschungsbereich ist das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) in Greifswald führend – mindestens deutschlandweit.

Neben lange bekannten Anwendungen in der Technik werden aber auch immer mehr Möglichkeiten erforscht, wie Plasma in der Medizin nutzbar ist. Ein erstes Produkt ist bereits auf dem Markt: der sogenannte „kinpen MED“. Mit diesem Plasmastift können Ärzte chronische Wunden behandeln und deren Heilung beschleunigen.

Der geheimnisvolle Zustand Plasma bedeutet, dass Gas mit elektrischem Strom aktiviert wird. Es entfaltet seine besonderen Eigenschaften genau dann, wenn es gebraucht wird – quasi aus der Steckdose. Man kann es nicht speichern, muss es also auch nicht aufbewahren. Mit Plasma können zum Beispiel medizinische Produkte sterilisiert oder Oberflächen dekontaminiert werden – insbesondere dann, wenn deren Material hitzeempfindlich ist, denn diese Plasmen sind kalt. Und die Forschungen sind noch lange nicht am Ende. Institutsdirektor Prof. Klaus-Dieter Weltmann rechnet mit immer mehr Entwicklungen, insbesondere für die Wundbehandlung und die Hygiene.

In Zukunft soll Plasma auch in der Zahnmedizin und sogar in der Krebstherapie angewendet werden. Bei den Forschungen arbeitet das INP sehr eng mit verschiedenen Kliniken in ganz Deutschland zusammen. „Wir entwickeln Alternativen, wenn herkömmliche Methoden nicht einsetzbar oder mit Nebenwirkungen verbunden sind. Dabei gehören unsere Forschungen zur Weltspitze“, so Weltmann.

Dr. Martin Polak leitet am INP einen Forschungsschwerpunkt, der sich mit der Veränderung von Materialeigenschaften befasst. „Wenn künstliches Material mit biologischem Gewebe in Verbindung kommt, beeinflussen sich beide gegenseitig – manchmal sollen die Zellen besonders gut auf einer Oberfläche wachsen, manchmal sollen sie eben nicht anhaften“, erklärt der Physiker. „Wir können die oberste Schicht des Materials verändern - sie ist etwa ein Tausendstel eines Haares dünn.“ Außerdem sollen Implantate keine Infektionen im Körper hervorrufen – auch in diese Richtung forschen Polak und seine Kollegen. Sie reichern das Plasma mit bestimmten Substanzen an, die so auf die beschichtete Oberfläche gelangen. „Kupfer und Silber zum Beispiel eignen sich, um schädliche Mikroorganismen zu bekämpfen, die Oberfläche also davon freizuhalten.“ Polak erwartet, dass seine Ergebnisse in den nächsten Jahren in der Praxis angewendet werden können.

Weltweit einzigartig ist ein Reaktor am INP, der drei miteinander verbundene Plasmakammern umfasst. Hier werden unterschiedliche Möglichkeiten der Oberflächenveränderung untersucht. Wissenschaftler aus aller Welt kommen als Gäste, um hier zu forschen.




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