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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 04:56 Uhr

Gartenschau: Zweifel am Prüfverfahren

vom

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erstellt am 24.Jan.2012 | 07:03 Uhr

Schwerin/Güstrow | Keine Finanzabenteuer am Blumenbeet: Die gestern vom Landeskabinett erteilte Absage an eine Landesgartenschau 2014 oder 2015 in Güstrow oder Putbus hat Mecklenburg-Vorpommerns Steuerzahler möglicherweise von Millionenverlusten bewahrt. Das Engagement und die Begeisterung für eine Landesgartenschau sei zwar in beiden Bewerberstädten riesig gewesen, bescheinigte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Güstrow und Putbus gestern noch einmal. Die Planungen der beiden Städte ließen "interessante Gartenschauen" erwarten, nicht nur mit "temporären Effekten", sondern mit Investitionen, die eine "langfristige Entwicklung der Kommune sowie der Region" zur Folge gehabt hätten. Mit Vorteil für Güstrow: Eine Bewertungskommission hatte sich mehrheitlich für Güstrow entschieden.

Genützt hat es doch nicht: Am Ende überwogen in beiden Städten die finanziellen Risiken. "Wir haben im Kabinett mit Bedauern festgestellt, dass bisher die Anstrengungen in Güstrow und in Putbus nicht so weit gediehen sind, dass man zu dem Schluss kommen könnte, die Kommunen können die Landesgartenschau ausrichten", erklärte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gestern: "Das tut uns sehr leid, insbesondere weil wir in Schwerin sehen konnten, welchen Schub so eine Schau bringen kann."

Trotzdem: So wäre die finanzielle Leistungsfähigkeit von Putbus "auch ohne die finanzielle Belastung durch eine Landesgartenschau und deren Folgekosten nur eingeschränkt" gegeben gewesen, urteilten die Prüfer des Innenministeriums und lehnten ab. Und auch Güstrow fiel bei der Finanzprüfung durch. So habe auch die Reduzierung der Investitionen von einst 37,7 Millionen Euro auf 19,1 Millionen Euro bei gleichzeitiger Erhöhung des Eigenanteils der Stadt auf 8,9 Millionen Euro nicht ausgereicht, "der Stadt die notwendige finanzielle Leistungsfähigkeit zu bestätigen", stellte Backhaus gestern fest. Zudem reichte die Städtebauförderung des Landes nicht aus, "um die Fördermittel in der von der Stadt Güstrow erwarteten Höhe bereitzustellen".

Die Vorsicht der Ministerrunde ist angebracht: Zwei von drei Gartenschauen haben sich in Mecklenburg-Vorpommern in der Vergangenheit als Millionengrab erwiesen. Bereits die letzte Landesgartenschau in Wismar kam den Steuerzahlern teuer zu stehen. Nach der Blumenschau auf dem ehemaligen Militärgelände vor zehn Jahren musste die öffentliche Hand anschließend für Verluste von mindestens einer Million Euro gerade stehen. Noch dicker kam es in Rostock: Dort kamen zwar 2,6 Millionen Besucher zur Internationalen Gartenschau (Iga) in die Hansestadt. Böses Erwachen am Ende der Schau: Verluste von 20 Millionen Euro belasteten die öffentlichen Kassen. Einzige Ausnahme: die Bundesgartenschau (Buga) in Schwerin. Dort kamen zwar rund 700 000 Besucher weniger als nach Rostock. Das Ausstellungskonzept reichte dennoch dafür, dass die Buga in der Schlussrechnung einen Gewinn von rund drei Millionen Euro auswies.

Die Güstrower lassen die finanziellen Risiken nicht gelten. Bürgermeister Arne Schuldt wies gestern den Vorwurf des Landes, die Stadt sei finanziell nicht leistungsfähig zu sein, zurück. Frust auch in der Wirtschaft: Güstrow habe die notwendige Finanzkraft, die Landesgartenschau zu finanzieren, kritisierte Olav Paarmann, Chef des Laga-Fördervereins die Entscheidung. Es gebe "Zweifel am Prüfverfahren" des Landes, sagte er. Mit der Entscheidung "brüskiert" das Land u. a. die 61 Unternehmen in der Region, die mit 12 000 Euro die Bewerbung der Stadt "maßgeblich" finanziert hätten. Paarmann gibt nicht auf: Sollte das Land erneut eine Landesgartenschau ausschreiben, werde sich Güstrow erneut bewerben - mit dem selben Konzept. Ansonsten denke der Förderverein über eine eigene, regelmäßig veranstaltete Güstrow-Blumenschau nach, die zum Markenzeichen der Stadt werden könnte.

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