Ganz MV diskutiert den Fall Japke

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07. Juni 2012, 10:26 Uhr

Rostock | Die Verhaftung des Ostseewellen-Moderators Marcus Japke schlägt weiter hohe Wellen in Mecklenburg-Vorpommern. Während die Anwälte des wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch in U-Haft sitzenden Marcus Japke sich in Schweigen hüllen, diskutieren hunderte Online-User auf diversen Plattformen über den Fall.

Debatten, die an dem Team des privaten Radiosenders nicht vorbeigehen. Das ganze sei "wie ein Albtraum", gibt Ostseewellen-Geschäftsführer Tino Sperke im Gespräch mit unserer Zeitung unumwunden zu. "Du wachst auf und hoffst, es war nur ein böser Traum. Aber es ist Realität." Sperke spricht von "großer Belastung für das Team", aber auch "von ganz viel Zuspruch der Hörer" - das mache Mut.

Den kann derzeit wohl auch Moderatorin Andrea Sparmann gut gebrauchen. Sie musste die Morgenshow in den vergangenen Tagen ohne Marcus Japke über die Bühne bringen. Nächste Woche geht die Show planmäßig in die zweimonatige Sommerpause - Zeit zum Durchatmen. Überlegungen, eine neue Show zu konzipieren, gibt es Sperke zufolge noch nicht. Die Zusammenarbeit mit Japke ruhe.

Ob bald eine Kündidung folgt, wird in erster Linie vom Verlauf der Ermittlungen abhängen. Bisher gelte immer noch die Unschuldsvermutung, wie Staatsanwaltssprecherin Maureen Wiechmann Anfang der Woche immer wieder betont hatte.

Der 39-Jährige Japke war am Dienstagmorgen noch während seiner Radiosendung festgenommen worden. Er soll in den Jahren 2005 und 2006 eine damals 12- beziehungsweise 13-Jährige mehrfach sexuell missbraucht haben. Die junge Frau hat sich erst jetzt an die Polizei gewandt.

Die Diskussionen im Internet schwanken zwischen Wut und Mitgefühl mit Japke. Viele erinnern wiederholt an den Grundsatz der Unschuldsvermutung.. "Ich denke, man sollte die Ermittlungen abwarten, bevor man sich eine Meinung bilden, geschweige denn ein Urteil erlauben kann", betont Katharina Paul. Markus Leisring bezeichnet das Vorgehen im Fall Japke gar als öffentliche "Hinrichtung": "Ich habe kein Problem, einem Verdacht auf Missbrauch nachzugehen. Aber dies ohne handfeste Beweise so öffentlich zu machen, ist ein Skandal. Was, wenn sich der Tatverdacht nicht erhärtet - oder sogar widerlegt werden kann?" Das mahnt auch René Ertel an: "Sollte er schuldig sein, hoffe ich auf ein hartes Strafmaß. Aber diese Vorverurteilungen gehen gar nicht." Manche fühlen sich gar an den Fall des Wettermoderators Jörg Kachelmann erinnert.

Doch nicht alle Kommentare sind so neutral gehalten. Während einige fest an die Unschuld des beliebten Moderators glauben, können andere nicht verstehen, warum Japke so in Schutz genommen und als Opfer dargestellt wird. "Es geht hier um den Verdacht des Kindesmissbrauchs. Es geht um eine vermeintliche Straftat, die hier nur deshalb von einigen verherrlicht wird, weil der mögliche Täter bekannt und beliebt ist", schreibt Sandra Kohl.

Auch die Vorgehensweise bei der Verhaftung des Moderators während seiner Radioshow wird von den Lesern in Frage gestellt. "Welche Motivation hatten die ermittelnden Behörden, seine Verhaftung medial so zu inszenieren", fragt sich Uwe Brauer. "In der Tat war dieser Vorgang weniger die Durchsetzung einer richterlichen Anordnung, als ein medial inszeniertes Spektakel. Ich weiß nicht was Marcus Japke getan hat, aber was da abgelaufen ist, war kein Ruhmesblatt für einen Rechtsstaat", schreibt ein User unter dem Namen Homo Kritikus.

Anders sieht das Christian S.: "Meiner Meinung nach, ist an der Verhaftung während seiner Arbeitszeit nichts auszusetzen! Warum sollte auf Herrn Japke Rücksicht genommen werden? Nur weil er eine Sendung moderiert? Falls er Koch wäre und gerade am Kochtopf steht, soll die Polizei auch warten, bis die Suppe fertig ist?"

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