zur Navigation springen

Letzter Rettungsversuch : Galgenfrist für angeschlagene Werften

vom

Rettung in letzter Minute? Die Insolvenz der beiden P+S Werften in Wolgast und Stralsund könnte möglicherweise abgewendet werden. Geschäftsführer Rüdiger Fuchs führte Gespräche mit Auftraggebern der Schiffe.

svz.de von
erstellt am 23.Aug.2012 | 11:41 Uhr

Stralsund | P+S-Chef Rüdiger Fuchs ringt nach dem Stopp der staatlichen Beihilfe um die Rettung der beiden Ostsee-Werften in Wolgast und Stralsund. Der Werftenmanager setzte gestern von Stralsund aus seine Gespräche mit den Großauftraggebern laufender Schiffsneubauten und Lieferanten fort. Das Unternehmen hofft auf einen finanziellen Beitrag dieser Gruppen, damit das erarbeitete Zukunftskonzept für die Werften umgesetzt werden könne, erläuterte ein Sprecher. Dabei gehe es nicht um zusätzliche Zahlungen. Sie sollten nur früher erfolgen, als bislang vertraglich vorgesehen.

Die Reederei Scandlines, die zwei Fähren abnehmen soll, hatte bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert und deutlich gemacht, an einer schnellen Lösung interessiert zu sein. Die dänische Reederei DFDS, für die die P+S-Werft in Stralsund zwei Spezialfrachter baut, hielt sich gestern eher bedeckt. "Wir führen ständig Gespräche mit der Werft, möchten keinen Kommentar abgeben, ehe wir nicht zu größerer Klarheit gekommen sind", sagte ein Sprecher der dänischen Reederei.

Der erst vor wenigen Tagen eingesetzte Geschäftsführer Fuchs hatte zu Wochenbeginn angekündigt, spätestens am Mittwoch einen Insolvenzantrag zu stellen, hatte dann aber doch noch eine Chance gesehen, zu einer Einigung mit Reedereien und Lieferanten zu kommen.

Die beiden Scandlines-Fähren sollten ursprünglich im Frühjahr ausgeliefert werden. Sie liegen seit Wochen am Ausrüstungskai. Zuletzt waren als Auslieferungstermine September und November 2012 genannt worden. Auch der erste von zwei Spezialfrachtern für DFDS befindet sich in einem fortgeschrittenen Baustadium. Gewerkschaften und Betriebsräte hatten die Rettungsbemühungen und die Einbindung der Kunden und Lieferanten begrüßt.

Der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto, sagte, er hoffe, dass es den Werften im Gespräch mit Kunden, Zulieferern und Mitarbeitern doch noch gelinge, eine Insolvenz abzuwenden. Der gute Auftragsbestand der Werften im Volumen von rund einer Milliarde Euro, das hohe technische Potenzial und die Aussichten auf weitere Aufträge seien eine Basis für die Zukunft der beiden Werftstandorte, sagte Otto.

Nachdem Werftchef Fuchs der Peenewerft in Wolgast ein tragfähiges Geschäftsmodell und gute Entwicklungsmöglichkeiten bescheinigt hatte, soll einem Bericht zufolge die Bremer Lürssen-Werft Interesse an eine Übernahme gezeigt haben. Eine Werftsprecherin dementierte allerdings eine entsprechende Meldung. Lürssen werde sich nicht an den P+S Werften beteiligen.

Eine Insolvenz der beiden P+S-Werften in Stralsund und Wolgast könnte das Land Mecklenburg-Vorpommern indes bis zu 271 Millionen Euro kosten. Denn es muss als Bürge allein für Kredite, die die Schiffbauer zum Beispiel bei Banken oder Versicherern aufgenommen haben, mit bis zu 204 Millionen Euro gerade stehen. Sonst hätten die Banken das Geld wahrscheinlich nicht für die Werften herausgerückt. Hinzu kommen rund 32 Millionen Euro aus einem Darlehen, das die Werften in den vergangenen Jahren vom Landesförderinstitut bekommen haben, so ein Sprecher des Schweriner Finanzministeriums. Seit Juni haben die Werften zudem 35 Millionen Euro vom Land als Rettungsbeihilfe bekommen. Da die Rettung missglückt scheint, besteht wenig Aussicht, dass das Land sein Geld zurückbekommt.

Wie teuer das Werften-Engagement für das Land wird, lässt sich allerdings erst am Ende einer Insolvenz berechnet. Einerseits könnten noch Schiffe fertig gestellt und bezahlt werden. Andererseits haben die Werften einige ihrer Grundstücke als Sicherheit "hinterlegt", falls sie ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Diese könnte das Land zum Beispiel verkaufen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen