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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 19:45 Uhr

Gäste-Service gefährdet

vom

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erstellt am 29.Sep.2010 | 08:03 Uhr

Röbel | Mehr Mut zum Landurlaub hat ein Fremdenverkehrsexperte den Wirten, Gastgebern und Kommunalpolitikern in MV gemacht. Das sei ein Wachstumsmarkt, sagte Mathias Feige vom Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (DWIF) gestern in Woldzegarten (Müritzkreis)bei der Vorstellung des Tourismusbarometers 2010 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes(OSV).

Gut aufgestellt sei MV, wenn es um Angebote für Urlaub auf dem Bauernhof, Urlaub mit ländlichen Angeboten und Urlaub im ländlichen Raum gehe, so Feige. Mit sechs von insgesamt 28 Millionen Übernachtungen pro Jahr könne nicht von einer Nische die Rede sein. Allerdings kommen die Gäste vorwiegend aus Ostdeutschland. "Sie können angesichts Ihres fantastischen Angebots selbstbewusst auch in den westlichen Bundesländern werben", meinte Feige.

"Landurlaub" sei ein zu pauschaler Begriff, um Gäste anzulocken. Sie müssten gezielt zum Beispiel für Reiterferien, Kräuterkunde-Urlaub oder Bauernhofauf enthalte angesprochen werden. Außerdem möchten die Gäste Leckereien aus der Region essen und ein "landestypisches" und gepflegtes Ortsbild vorfinden.

Laut Feiges DWIF-Kollege Manfred Zeiner ist der Landurlaub nur eine der touristischen Baustellen in MV. Schließlich weist das OSV-Tourismusbarometer nach Jahren des stetigen Wachstums erstmals ein Minus aus. Zwischen Januar und Juli 2010 kamen 2,2 Prozent weniger Gäste ins Land als im selben Zeitraum 2009. Wobei die Vorjahreszahlen von der Bundesgartenschau in Schwerin "geschönt" waren. Zeiner bezweifelte, dass im Sommer genug Touristen im Land waren, um Ende 2010 noch ein positives Ergebnis vermelden zu können. Betroffen seien fast alle Regionen. "Nehmen Sie die Entwicklung ernst", mahnte Zeiner. Das schlechte Wetter könne nicht als Ausrede herhalten.

Seidel verteidigt Beihilfekürzungen

Zeiner forderte die Branche auf, vor allem in Qualität zu investieren. Geld für Investitionen müsse angesichts der betriebswirtschaftlichen Daten vorhanden sein. Er warnte davor, beim Personal zu sparen. Immer mehr Betriebe hätten Vollzeitarbeitsplätze abgebaut und durch Teilzeitkräfte ersetzt - ein Risiko für die Service-Qualität.

In die gleiche Kerbe schlug Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). Die Branche müsse sich kümmern, Nachwuchskräfte einzustellen und Fachpersonal zu halten. Inständig bat er Arbeitnehmer und Arbeitgeber miteinander im Gespräch zu bleiben - ein deutlicher Hinweis des Ministers, dass gutes Personal nur für gute Löhne zu bekommen sei. Gleichzeitig warb Seidel um Verständnis, dass das Land keine großen Hotelneubauten mehr fördern werde. Saisonverlängernde Angebote und Landpensionen können weiter mit Subventionen rechnen. Mit Finanzhilfe darf die Branche von den Sparkassen rechnen. "Wir können jeden vernünftigen Kreditwunsch erfüllen", sagte OSV-Präsident Claus Friedrich Holtmann. Für vernünftig hält er u. a. Angebote für Gäste im Alter über 50. Soweit mit "Landurlaub" Ferien auf dem Bauernhof gemeint sind, fühlte sich auch Rainer Tietböhl angesprochen. Der Präsident des Bauernverbandes befand, dass Tourismus und Landwirtschaft "hervorragend zusammenpassen". Dennoch bat er die Touristiker, nicht immer gleich zu protestieren, "wenn wir mal einen Stall bauen wollen".

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