Lokführerstreik : Gähnend leere Bahnhöfe

Wenig los ist hier gestern am Schweriner Hauptbahnhof.
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Wenig los ist hier gestern am Schweriner Hauptbahnhof.

Die Lokführergewerkschaft GDL legt auch in MV große Teile des Schienenverkehrs lahm

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06. November 2014, 21:30 Uhr

Der Schweriner Hauptbahnhof wirkt im Vergleich zum üblichen Treiben wie ausgestorben. Fast keine Reisewilligen sind zu sehen. Weder in der Vorhalle noch auf den Bahnsteigen. Auch am Infoschalter der Deutschen Bahn ist nichts los. „Es kommen kaum Kunden zu uns an den Schalter und stellen Fragen zum Streik. Die meisten Pendler haben sich auf den Streik eingestellt und sich gut über ihre Reisealternativen informiert“, erläutert eine Bahnangestellte.

Auf der Strecke zwischen Rostock-Hauptbahnhof und Warnemünde fährt immer mal wieder ein Zug. Ansonsten geht es auf dem Hauptbahnhof den Tag über sehr ruhig zu.

Überall im Land hat der Lokführerstreik gestern zu massiven Behinderungen im Bahnverkehr geführt. Insgesamt fallen im Nahverkehr rund 80 Prozent der Verbindungen aus, im Fernverkehr ist nur rund ein Drittel der Züge unterwegs, sagt ein Bahnsprecher der dpa. Im ebenfalls bestreikten Güterverkehr liegt die Ausfallquote an diesem Tag bei etwa 50 Prozent. Der Bahnsprecher vermutet, dass einige Lokführer weniger streiken als im Oktober.

So durchfährt zumindest ein ICE in Richtung Hamburg den Bahnhof Hagenow Land. Ansonsten herrscht auch hier gegen Mittag gähnende Leere. Bahnpersonal ist nicht vor Ort.

Ähnlich sieht es in Ludwigslust aus: Bis Mittag kommt nur ein Zug der Deutschen Bahn, ein Regionalexpress, an. Die ODEG fährt dagegen planmäßig. Der Bahnhof ist also deutlich leerer als sonst, aber nicht völlig verwaist. Es gibt Kunden, die sich nur nochmal vergewissern wollen, dass nichts fährt, und sind dann erstaunt, dass sie mit der ODEG ans Ziel kommen. Die Lokführer des Bahn-Konkurrenten beteiligen sich nicht am Streik, wie die Pressesprecherin der ODEG, Kerstin Steußloff mitteilte.

Aber nicht jeder will nach Hagenow, Parchim oder auch Wismar, wohin die ODEG fährt. Tausende Pendler im Nordosten müssen sich andere Alternativen suchen, um zur Arbeit, Universität oder Schule und zurück nach Hause zu kommen. Viele steigen sicherlich auf das Privatauto um, ein Verkehrschaos verzeichnet die Polizei in den Städten des Landes aber nicht.

Eine weitere gefragte Alternative zu den Zügen der Deutschen Bahn sind dieser Tage die Verbindungen der Fernbusse. Von Schwerin aus gibt es vier direkte Städteverbindungen: Bad Segeberg, Berlin, Lübeck und Neumünster. Von Rostock aus verkehren gestern zusätzlich zehn Busse, dies soll auch heute und am Samstag beibehalten werden, wenn vor allem viele Studenten reisen.

Die kostenlose App „Busliniensuche – Fernbus App" informiert über die Fernbusverbindungen der gängigsten Unternehmen, wie DeinBus.de, FlixBus oder MeinFernbus – und über deren Preise. Ein Sprecher von MeinFernbus sagte, dass die Buchungen um das Vierfache gestiegen seien. Gleichzeitig sei die Zahl der Online-Buchungsanfragen dieser Tage um das Sechsfache gestiegen.

Mit Einbußen kämpfen hingegen die Taxifahrer: „Uns fehlen die Geschäftskunden aus Hamburg und Berlin. Sie nehmen nun direkt den Bus und wir stehen hier umsonst“, so der Schweriner Taxifahrer Heinz Labbow.

Auch die Stadtbäckerei Junge im Schweriner Hauptbahnhof muss sich auf die Streiktage einstellen. „Wie haben extra weniger Ware bestellt. Es ist viel weniger los als sonst. Wir haben wesentlich weniger Umsatz, als wenn der Hauptbahnhof gut besucht ist“, beschwert sich eine Verkäuferin der Stadtbäckerei.

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