Landgericht Neubrandenburg : Fußgänger bei Raser-Unfall getötet - Prozess gegen Fahrer gestartet

Ein Holzkreuz erinnert an den getöteten Fußgänger in Neubrandenburg.

Ein Holzkreuz erinnert an den getöteten Fußgänger in Neubrandenburg.

Ein Autofahrer ist vor einem Jahr durch Neubrandenburg gerast und hat einen Fußgänger tödlich verletzt. Nun steht er vor Gericht. Der Prozess wurde zwar unterbrochen, aber am 17. September soll der Angeklagte sagen, ob es damals ein illegales Wettrennen war.

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03. September 2018, 15:02 Uhr

Ein Jahr nach dem Tod eines Fußgängers bei einem Raser-Unfall in Neubrandenburg hat am Landgericht der Prozess gegen den Autofahrer begonnen - und wurde nach 30 Minuten schon wieder vertagt. Richter Carl Christian Deutsch unterbrach den Prozess am Montag wegen einer Besetzungsrüge der Verteidigung. Anwalt Hubert Schilling hatte moniert, dass ihm nicht rechtzeitig bekannt war, dass eine andere Schöffin als vorgesehen zu der Strafkammer gehört. Der Prozess soll am 17. September mit der Verlesung der Anklage und Zeugenanhörungen fortgesetzt werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21 Jahre alten Beschuldigten fahrlässige Tötung vor. Er hatte mit seinem Wagen am 29. August 2017 auf einer vierspurigen Straße einen 33 Jahre alten Fußgänger umgefahren, der noch am Unfallort starb. Im Prozess treten die Eltern des Getöteten als Nebenkläger auf. „Es fällt mir immer noch sehr schwer, den Verlust zu verkraften“, sagte die Mutter des Opfers am Rande der Verhandlung.

Im Prozess soll auch geklärt werden, ob das Geschehen auch bei einem illegalen Autorennens passiert sein könnte. Das hatten Ermittler - ähnlich wie bei einem Vorfall in Berlin, der gegenwärtig neu verhandelt wird - anfangs vermutet. Ein Gutachter hatte ermittelt, dass der Unfallwagen mit einer Geschwindigkeit zwischen 83 und mehr als 100 Stundenkilometern im nördlichen Stadtgebiet auf der früheren Bundesstraße 96 unterwegs war.

Der Fahrer - ein ausgebildeter Pfleger - erlitt einen Schock, blieb aber sonst unverletzt. Er hatte sich während der Ermittlungen nicht zu den Vorwürfen geäußert. Nach Angaben der Polizei von damals soll ein anderer an dem Vorfall beteiligter Autofahrer aber geflohen sein.

Am Auto des Beschuldigten entstand durch den Aufprall laut Polizei ein Schaden von rund 12 000 Euro. Auf fahrlässige Tötung steht Geldstrafe oder eine mehrjährige Haftstrafe. Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil soll bisher am 5. Oktober fallen.

In Berlin wird gegen zwei junge Autofahrer derzeit neu verhandelt, die 2016 bei einem Wettrennen mit bis zu 170 Stundenkilometer Geschwindigkeit einen 69-jährigen Autofahrer gerammt und getötet hatten. Sie waren wegen Mordes verurteilt worden. Das Urteil hatte der Bundesgerichtshof aber gekippt. Nun müssen sich die Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Experten zufolge müssen Teilnehmer an Wettrennen mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Auf fahrlässige Tötung ohne ein Wettrennen stehen bis zu fünf Jahre Haft.

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