Hilfsbereitschaft : Fußball mit Flüchtlingen

Mit der steigenden Zahl von Asylbewerbern wächst auch die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge.
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Mit der steigenden Zahl von Asylbewerbern wächst auch die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge.

Krisen und Kriege in der Welt berühren Mecklenburger und Vorpommern. Bürger initiieren Hilfe für Asylsuchende.

Mit der steigenden Zahl von Asylbewerbern wächst auch die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge. Im Landkreis Rostock etwa gibt es zahlreiche Projekte für eine „Willkommenskultur“, wie der stellvertretende Landrat Rainer Boldt feststellt. Initiatoren seien der Landkreis, Städte und Gemeinden, lokale Bündnisse, Kirchengemeinden, Sport- und Kulturvereine und vor allem zahlreiche Privatpersonen. „Alle Projekte verfolgen das Ziel, zunächst mit den Flüchtlingen persönlich in Kontakt zu kommen und gegenseitige Ängste abzubauen“, sagte Boldt.

Die Hilfsangebote seien breit gefächert. Vielerorts würden Sachspenden für Flüchtlinge gesammelt, besonders Kinderspielzeug, Bekleidung, Wohnungsausstattung, Fahrräder, Kinderwagen, Babyausstattung. In etlichen Orten könnten Asylsuchende in besonderen Sprachkursen Deutsch lernen. Beim Lehrmaterial seien die Kursleiter erfinderisch, betonte Boldt. Viele verwendeten einfach Bilderbücher für Kleinkinder zur besseren Anschauung und Verständigung.

Für Flüchtlingskinder gibt es Betreuungsangebote. Freiwillige unternähmen mit den Jüngsten Ausflüge, kochten gemeinsam oder trieben Sport. Da unter den Flüchtlingen viele Christen seien, gebe es auch zahlreiche Ideen für gemeinsame Weihnachtsfeiern, berichtete Boldt. Zusammen mit dem Sozialministerium werde nach Beschäftigungsmöglichkeiten für erwachsene Flüchtlinge gesucht. Dies könne über gemeinnützige Projekte geschehen. Beispielsweise könnten Asylbewerber gebrauchte Möbel aufarbeiten oder gespendete Fahrräder reparieren.

Im Landkreis Rostock sind gegenwärtig 895 Flüchtlinge untergebracht, Tendenz steigend. Wohnungen und Heime gebe es vor allem in Güstrow, Bad Doberan, Kühlungsborn, Bützow, Tessin, Gnoien, Neubukow sowie die Gemeinden Sanitz und Gelbensande. „Als Landkreis schaffen wir die soziale Einbettung in die Zivilgesellschaft nicht, da sind wir auf Ehrenamtliche angewiesen“, betonte Boldt.

Solch ein Bündnis ist beispielsweise die Initiative „Eine Blume für Bützow“. Etwa 20 Bürger engagieren sich hier. Sie sammeln Kleidung und Hausrat für Asylsuchende, wie Britta Schacht vom Bündnis sagte. Pensionierte Lehrer geben Deutschunterricht, andere organisieren Treffs, Kaffeerunden, Kennenlern-Nachmittage. „Die anfängliche Angst und Unsicherheit in der Kleinstadt schwindet, die Akzeptanz für die Flüchtlinge wächst“, meinte Britta Schacht.

Der Landkreis Nordwestmecklenburg, der derzeit rund 300 Flüchtlinge beherbergt, hat eine Kooperationsvereinbarung mit der Hochschule Wismar abgeschlossen. Mitarbeiter und Studenten geben den Angaben zufolge Deutschunterricht. Mit einer Spende sei es gelungen, in der Wismarer Gemeinschaftsunterkunft ein Spielgerät aufzubauen, erklärte eine Sprecherin.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim verkündet auf Plakaten „Herzlich Willkommen“ in mehreren Sprachen und farbig gedruckt, wie ein Sprecher mitteilte. Flyer in Deutsch und Englisch informierten mit Stadtplänen über Anlaufpunkte wie Landratsamt, Ausländerbehörde, Schulen, Kitas, Arztpraxen oder Polizeistationen, wie es hieß.

Handfeste Hilfen leisten Ehrenamtliche in Vorpommern. Studenten der Universität Greifswald würden in der Hansestadt und in Wolgast nicht nur Deutsch unterrichten, erklärte der Leiter mehrerer Asylbewerberheime, Jörg Wojciechowski. Die jungen Leute kümmerten sich auch um die Flüchtlingskinder mit Spiel und Sport und Hausaufgabenhilfen. „Umdenkprozesse“ kämen über solch gemeinsame Unternehmungen in Gang, meinte Wojciechowski.

In Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) heißen Bürger neu ankommende Flüchtlinge stets mit Kaffee und Kuchen willkommen. Im Ende letzten Jahres eingerichteten Heim im Ortsteil Drögeheide lebten derzeit 140 Asylsuchende, darunter viele Kinder, meinte Harald Rinkens. Der pensionierte Bundeswehr-Offizier ist Mitbegründer des Bündnisses „Vorpommern weltoffen, demokratisch, bunt“.

Der 65-Jährige gibt selbst Sprachkurse für Flüchtlinge. „Deutschlernen ist existenziell“, sagte Rinkens. Außerdem spiele er mit den Heimbewohnern in Drögeheide Fußball, die Gemeinde habe dafür einen Kunstrasenplatz zur Verfügung gestellt. „Es wird Fußball gespielt und damit Zeit totgeschlagen.“

Künstler der Region kümmerten sich vor allem um die Flüchtlingskinder. Da werde gewerkelt, gebastelt und getanzt, schilderte Rinkens. Anwohner kämen zum gemeinsamen Kochen ins Heim, brächten Kleidung und Spielsachen mit. „Die Stimmung wandelt sich zum positiven, es gibt eine wahnsinnige Spendenbereitschaft, die Kleiderkammer ist rammelvoll“, sagte Rinkens.

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